Was bringen Smartringe, die einen pausenlos tracken und ausmessen? Unsere Autorin machte drei Monate lang den Test. Ihr Fazit: Seither schläft sie länger.
Autorin Katja Fischer De Santi schreibt auch über das chaotische, schöne Leben als mittelalte Frau und Mutter von Teenagersöhnen. Hier zu lesen.
Foto: Paolo Dutto
Ich wollte nie einen Ring am Finger. Nun trage ich zwei! Und sie wissen nach drei Monaten mehr über mich als jeder Partner jemals. Der silberne sagt, ich schlafe wie eine Robbe. Und der schwarze findet, ich bewege mich zu wenig, und fragt, als ich in der Oper sitze, ob ich gerade schlafe: Mein Ruhepuls war zu tief.
Smartringe im Test: Oura Ring 4 (silbern) und Ring Conn Gen 2 (schwarz)
Foto: Paolo Dutto
Aber von vorn: Seit drei Monaten trage ich zu Testzwecken zwei sogenannte Smartringe, einen von Oura und einen von Ring Conn. Sie sind leicht, unauffällig und messen mich mit diversen Sensoren auf ihrer Innenseite rund um die Uhr aus: Blutsauerstoff, Herzfrequenz, Hauttemperatur und Atemfrequenz. Die Ergebnisse landen als hübsche Diagramme auf meinem Smartphone.
Smartwatches machen das Gleiche schon sehr viel länger und zeigen auch noch Nachrichten, die Zeit oder die Joggingrunde an. Meine Ringe können das alles nicht, sie messen nur – unauffällig und ohne abzulenken. Dafür tun sie dies 24/7 und bis zu 12 Tage am Stück, ohne einmal aufgeladen zu werden. Wer sich sportlich in neue Dimensionen katapultieren will, ist mit einer Smartwatch immer noch besser bedient. Smartringe fokussieren eher auf Schlaf- und Regenerationstracking.
Zwei Monate lang gehe, stehe und schlafe ich also beringt. Einerseits möchte ich etwas fitter werden, mich mehr bewegen, anderseits schauen, wo ich gesundheitlich stehe. Zudem bin ich gespannt, ob ich mich durch das Tracking kontrolliert oder motiviert fühle.
Beim Einrichten der Apps kann ich meinen Fokus auswählen: mehr Bewegung, weniger Stress oder mehr Energie? Ich möchte alles, entscheide mich aber für Letzteres. Auch wie viele Schritte ich täglich machen möchte, wie hoch mein Kalorienverbrauch sein soll, wie viele Stunden Schlaf ich brauche, gebe ich ein.
Tatsächlich motivieren mich die Ringe – zumindest am Anfang. Ich gehe zu Fuss statt mit dem Tram, fahre wieder Rennvelo und buche die Yogalektion im Voraus. Schliesslich will ich meinen Aktivitätslevel nicht dauerhaft bei unbefriedigenden 65 Prozent sehen. Zum Glück zählen beide Ringe auch energisches Staubsaugen, Rasenmähen und Sprints auf den Zug als Aktivitäten. Fazit: Stressiger Familienalltag ersetzt fast das Fitnessstudio.
Die Apps bereiten die gemessenen Werte auf, im Bild das Schlafprotokoll.
Foto: Paolo Dutto
Was die Ringe richtig gut können: Schlaftracking. Schnell werde ich fast süchtig nach der morgendlichen Schlafanalyse. Ob ich gut geschlafen habe, sagen mir jetzt die beiden Apps. Sie wissen, wann ich eingeschlafen und aufgewacht bin oder wie viel Tiefschlaf ich bekommen habe. Und sie zeigen mir, dass ich in Nächten, in denen ich glaubte, wach gelegen zu haben, doch recht viel geschlafen habe. Das beruhigt. Weniger beruhigend ist die Sache mit der Robbe. Die Oura-App wertet meinen Schlaf nach acht Wochen aus und findet: Er sei kurz und knapp wie bei einer Robbe. Das muss ich ändern. Auch Ring Conn bewertet mein Schlaflevel mit nur 78 von 100 Punkten.
Das Erstaunlichste kommt aber nach sechs Wochen: ein Stressalarm. «Schalte einen Gang runter», schreibt Oura, meine Ruheherzfrequenz sei seit Tagen zu hoch, meine Erholungsphasen zu kurz. Meine gefühlte Erschöpfung wird zu einem datenbasierten Argument. Ich verschiebe ein Projekt und zwei Treffen, gehe stattdessen schwimmen und früh schlafen. Die Ringe sind wieder zufrieden. Auch als Zyklustracker taugen beide Ringe hervorragend: Weil sie meine Hauttemperatur überwachen, erkennen sie Eisprung und Periodenbeginn nach zwei Monaten recht zuverlässig. Früher benutzte ich dafür eine zusätzliche App und musste diese Daten selbst eintragen.
Die Unterschiede zwischen den beiden Ringen sind beim Tragen und Messen klein. Der Unterschied macht die App: Oura bereitet die Daten verständlicher und in schönerem Design auf. Die App kostet aber auch 6 Franken im Monat. Ring Conn kommt ohne Abo aus und liefert die Daten etwas nüchterner aus. Dank der Ringe habe ich mir neue Routinen angewöhnt, meine 6000 Schritte pro Tag schaffe ich zumindest im Wochenschnitt. Und ich gehe endlich früher ins Bett, ich will keine Robbe mehr sein. Der tägliche Blick auf meine Vitalwerte hilft mir, früh zu erkennen, wo etwas nicht gut läuft. Aber ob ich gut oder schlecht geschlafen habe, das entscheide ich morgens wieder selbst.