Brennend, stechend oder blitzartig: Nervenschmerzen fühlen sich oft anders an als «normale» Schmerzen. Wie sie entstehen, woran man sie erkennt und was Betroffenen im Alltag helfen kann.
Die IASP (International Association for the Study of Pain) beschreibt Schmerz als eine unangenehme Sinnes- und Gefühlserfahrung, die mit einer tatsächlichen oder möglichen Gewebeschädigung zusammenhängt.
Schmerz ist sowohl ein körperliches Empfinden als auch ein Gefühl. Einerseits kann er sich zum Beispiel als stechend oder brennend zeigen und unterschiedlich stark sein. Andererseits spielt auch die emotionale Wahrnehmung eine Rolle. Etwa, wenn Schmerz als belastend oder erschöpfend erlebt wird. Gleichzeitig hat Schmerz eine wichtige Funktion: Er schützt uns, indem er den Körper frühzeitig vor möglichen Schäden warnt.
Chronische Schmerzen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für körperliche Einschränkungen. In der Schweiz sind rund 1,5 Millionen Menschen betroffen. Dazu gehören auch neuropathische Schmerzen, unter denen weltweit schätzungsweise 7-10 % der Bevölkerung leiden.
Neuropathische Schmerzen sind, einfach ausgedrückt, Nervenschmerzen. Sie entstehen durch eine Schädigung sogenannter Gefühlsfasern im Nervensystem. Also jener Nerven, die Reize wie Berührung, Temperatur oder Schmerz aus dem Körper ans Gehirn weiterleiten.
Damit unterscheiden sie sich grundlegend von anderen Schmerzarten wie Rücken-, Kopf- oder Tumorschmerzen. Bei «klassischen» Schmerzen wird ein Reiz meist an den Nervenendigungen im Gewebe ausgelöst, etwa durch eine Verletzung oder Entzündung.
Bei neuropathischen Schmerzen liegt die Ursache hingegen nicht in erster Linie im Gewebe selbst. Stattdessen entstehen die Schmerzsignale entlang der Nervenbahn. Von der geschädigten Stelle aus können sie sich bis ins Gehirn ausbreiten und dort als Schmerz wahrgenommen werden.
Der Patientenratgeber unterstützt mit Wissen, Tipps und Anregungen für einen besseren Umgang mit Nervenschmerzen.
Jetzt herunterladen
Nervenschmerzen können sich zum Beispiel als Brennen oder Kribbeln bemerkbar machen. Manche Betroffene reagieren zudem empfindlich auf Berührungen oder Kälte. Eine solche Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen wird als Allodynie bezeichnet. Viele beschreiben diese Schmerzen auch als blitzartig einschiessend. Auch der sogenannte eingeklemmte Nerv ist ein häufiges Symptom und verursacht neben Schmerzen, Kribbeln, Schwächegefühl auch ein Taubheitsgefühl.
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose anhand der im Gespräch erwähnten Symptome. Zusätzlich hilft eine körperliche und neurologische Untersuchung, indem die Empfindlichkeit der Haut, der Reflexe und die Muskelkraft getestet werden. Zum Einsatz kommt oft auch ein sogenannter Schmerzfragebogen. Auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kommen zum Einsatz.
Klassische Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen bei Nervenschmerzen oft nicht genug. Die Behandlung sollte man daher immer an die jeweilige Schmerzursache anpassen.
Ziel der Behandlung ist, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Gleichzeitig ist es wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu finden und gezielt zu behandeln. Denn neuropathische Schmerzen entstehen häufig im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Gürtelrose).
Je nach Ursache und Ausprägung kommen unterschiedliche Ansätze zum Einsatz, die sich sinnvoll ergänzen können:
Bei neuropathischen Schmerzen setzt man Wirkstoffe ein, die den verletzten Nerv beruhigen. Das sind etwa Medikamente, die auch bei Depressionen (sog. Antidepressiva) oder epileptischen Anfällen (sog. Anfallssuppressiva) verwendet werden. Diese Medikamente hemmen die Weiterleitung des Schmerzes im Rückenmark.
Behandlungen, die zusätzlich zur medikamentösen Behandlung eingesetzt werden:
Weitere Methoden, bei denen die Studiengrundlage gering und somit die Wirksamkeit umstritten ist:
Bei einer Nervenblockade werden Nerven betäubt. So können sie keine Schmerzsignale mehr an das Gehirn senden. Bei der Neuromodulation wird das Nervensystem mit schwachen elektrischen Impulsen gezielt stimuliert. Dadurch wird die Weiterleitung von Schmerzsignalen verändert, bevor diese im Gehirn ankommen, was zu einer Linderung der Schmerzen führen kann. In einigen Fällen werden dazu Elektroden im Bereich des Rückenmarks eingesetzt.
Körper und Psyche hängen eng zusammen. Gedanken, Gefühle und Aufmerksamkeit beeinflussen, wie stark Schmerzen wahrgenommen werden. Wer sich stark auf den Schmerz konzentriert oder ihn als Bedrohung erlebt, empfindet ihn oft intensiver. Umgekehrt kann Ablenkung dazu führen, dass der Schmerz zeitweise weniger stark wahrgenommen wird. Vielen Betroffenen ist dieser Zusammenhang zunächst nicht bewusst. Ihn zu erkennen, kann helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen.
07/2026 CH2607230382