Was sind eigentlich Pneumokokken, wie werden die Bakterien übertragen und was sind mögliche Symptome und Folgen einer Infektion? Wir klären auf.
In der Schweiz registriert das Bundesamt für Gesundheit pro Jahr rund 1'000 schwere Pneumokokken-Erkrankungen, mehrheitlich Lungenentzündungen. Besonders häufig treten sie in den Wintermonaten auf, im Sommer deutlich seltener.
Pneumokokken sind Bakterien aus der Familie der Kugelbakterien und heissen fachsprachlich Streptococcus pneumoniae. Von ihnen gibt es mehr als 100 verschiedene Arten, doch nur ein Teil davon kann schwere Infektionen auslösen. Pneumokokken besiedeln den Nasen-Rachen-Raum oft unbemerkt. Problematisch wird es dann, wenn sie in andere Körperbereiche gelangen und dort Infektionen auslösen.
Pneumokokken werden vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen, also etwa beim Niesen, Husten oder Sprechen sowie durch engen zwischenmenschlichen Kontakt. Dabei können die Bakterien nicht nur von erkrankten, sondern auch von gesunden Personen weitergegeben werden, die sie im Nasen-Rachen-Raum tragen. Eine Ansteckung führt jedoch nicht zwingend sofort zu einer Erkrankung, die Beschwerden können auch erst später auftreten. Die Inkubationszeit beträgt ungefähr 1 bis 5 Tage. Die genaue Inkubationszeit lässt sich jedoch nur schwer bestimmen, weil Pneumokokken den Nasenrachenraum oft besiedeln, ohne zunächst eine Erkrankung auszulösen.
Besonders gefährdet für eine Pneumokokken-Infektion sind Menschen mit einem geschwächten oder vermindert leistungsfähigen Immunsystem. Bei ihnen ist nicht nur das Risiko für eine Ansteckung erhöht, sondern häufig auch der Schweregrad der Erkrankung. Zu den betroffenen Gruppen gehören kleine Kinder und ältere Personen. Ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes sowie Personen mit Krankheiten oder Medikamententherapien, die das Immunsystem schwächen oder unterdrücken. Auch Rauchen und starker Alkoholkonsum können das Risiko für eine schwere Pneumokokken-Infektion erhöhen.
Ein Spezialfall sind Neugeborene und Kinder bis zwei Jahre. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift und kann Bakterien wie Pneumokokken noch nicht gut abwehren. Der Schutz durch mütterliche Antikörper nimmt in den ersten Monaten rasch ab, während das eigene Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist.
Dadurch ist das Risiko für Erkrankungen wie Mittelohrentzündung und akute bakterielle Hirnhautentzündung erhöht. Weil die Atemwege bei kleinen Kindern noch kurz und breit sind, können Bakterien leichter vom Rachen in Richtung Ohr und Hirnhäute gelangen. Solche Infektionen müssen sofort medizinisch behandelt werden.
Ein weiterer Spezialfall sind Seniorinnen und Senioren ab etwa 60 Jahren. Mit zunehmendem Alter wird das Immunsystem schwächer, und die körpereigene Abwehrkraft nimmt ab. Dadurch können sich Pneumokokken in den Atemwegen leichter ausbreiten und tiefer in das Lungengewebe eindringen. Gleichzeitig ist oft auch der Hustenreflex abgeschwächt, sodass Bakterien schlechter ausgeschieden werden.
Deshalb sind ältere Menschen besonders gefährdet, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Diese kann im höheren Alter schnell schwer verlaufen und ist potenziell lebensbedrohlich, weil eine starke Infektion den gesamten Organismus stark belasten oder sogar zum Zusammenbruch bringen kann.
Typische Anzeichen bei einer Infektion mit Pneumokokken sind Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl, zum Beispiel mit Kopfschmerzen, Husten oder Appetitverlust. Welche weiteren Symptome auftreten, hängt davon ab, welche Körperbereiche betroffen sind. Je nach Ausbreitung können die Erreger unterschiedliche Erkrankungen auslösen.
Bei Kindern werden etwa 20 bis 40 Prozent der Mittelohrentzündungen durch Pneumokokken ausgelöst. Die Erkrankung zeigt sich typischerweise durch Ohrenschmerzen sowie ein gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell oder durch Eiter hinter dem Trommelfell.
Eine Infektion kann folgende Folgen haben:
Typisch bei einer durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung sind plötzlich einsetzende Symptome wie:
Häufig kommen zudem stechende Schmerzen auf einer Seite des Brustkorbs hinzu, die sich beim Husten oder tiefen Einatmen verstärken.
Eine Pneumokokken-Sinusitis betrifft meist die Nebenhöhlen in den Wangenknochen sowie beide Seiten der Nasenhöhle. Typische Anzeichen sind Schmerzen im Bereich der Nebenhöhlen und eitriger Ausfluss aus der Nase.
Die Infektion kann chronisch werden. Gelangt sie in den Schädel, kann sie schwere Komplikationen wie Blutgerinnsel oder eine Meningitis verursachen.
Eine Blutvergiftung ist ein medizinischer, lebensbedrohlicher Notfall und kann zu multiplem Organversagen führen. Sie entsteht, wenn sich Bakterien – in diesem Fall Pneumokokken – im Blutkreislauf ausbreiten, häufig als Folge einer lokalen Infektion.
Zu den Symptomen einer Pneumokokken-Sepsis gehören:
Typische Anzeichen für eine Pneumokokken-Meningitis sind:
Bei Kindern zeigt sich die Erkrankung oft etwas anders: Sie haben häufig keinen steifen Nacken, wirken dafür eher gereizt, lustlos und haben keinen Appetit.
Mögliche Komplikationen bei einer Hirnhautentzündung durch Pneumokokken sind unter anderem Hörverlust, Krampfanfälle, Lernbehinderungen, Verhaltensstörungen sowie Bewegungs- und Koordinationsprobleme.
Eine Pneumokokken-Infektion wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Häufig kommt dabei Penicillin zum Einsatz, meist in Form von Tabletten. Bei schweren Infektionen erfolgt die Behandlung intravenös.
Sind die Pneumokokken resistent gegen Penicillin oder ist eine höhere Wirksamkeit erforderlich, können andere Antibiotika eingesetzt werden. Wichtig ist, die Behandlung möglichst früh zu beginnen, um Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden.
Der wirksamste Schutz vor einer Pneumokokken-Infektion ist die Pneumokokken-Impfung. Die Impfung wird vom Bundesamt für Gesundheit für Kinder unter 5 Jahren, für Erwachsene über 65 Jahren sowie für Personen empfohlen, die aufgrund anderer Faktoren zu einer Risikogruppe gehören.
Ergänzend tragen allgemeine Hygienemassnahmen dazu bei, das Infektionsrisiko zu senken. Dazu gehört insbesondere regelmässiges und gründliches Händewaschen.
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