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Gesünder leben?

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Mittelohrentzündungen bei Kindern: Symptome, Behandlung und was hilft

Mindestens zwei von drei Kleinkindern haben einmal eine Mittelohrentzündung. Für Eltern ist das oft ein Schreck, und für die Kinder ist es sehr schmerzhaft. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen heilt eine Mittelohrentzündung von selbst wieder ab – vor allem bei milden Verläufen.

Was ist eine Mittelohrentzündung?

Eine Mittelohrentzündung (medizinisch: Otitis media) ist eine Entzündung des luftgefüllten Raums hinter dem Trommelfell. «Sie entsteht meist im Zusammenhang mit einer Erkältung. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr, die sich entzünden kann», erklärt Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo, Facharzt für HNO bei Medbase in Kreuzlingen.

Warum haben Kinder so häufig eine Mittelohrentzündung?

Meist beginnt alles mit einem Schnupfen. Drei Umstände tragen dazu bei, dass sich aus einem Atemwegsinfekt vor allem bei Kindern eine Mittelohrentzündung entwickelt: 

  1. Der Verbindungsgang vom Mittelohr zum Rachen (die «Eustachische Röhre») ist bei ihnen kurz und fast waagrecht. Deshalb gelangen Erreger leicht vom Rachenraum bis ins Mittelohr.
  2. Am Ausgang dieser winzigen Röhre befindet sich die Rachenmandel. Sie kann Bakterien als Hort dienen und bei einem Atemwegsinfekt anschwellen. Dann ist der reinigende Abfluss von Schleim und Sekret aus der Röhre blockiert.
  3. Das Immunsystem muss erst lernen, mit den Erregern der Mittelohrentzündung einer Mittelohrentzündung fertigzuwerden. In den meisten Fällen sind Viren die Auslöser und keine bakterielle Infektion.

Sind Mittelohrentzündungen bei Kindern ansteckend?

Die Entzündung selbst ist nicht ansteckend. Die Auslöser, meist Erkältungsviren oder Bakterien, sind jedoch übertragbar. Das bedeutet: Kinder stecken sich mit einem Infekt an, aus dem sich bei manchen dann eine Mittelohrentzündung entwickelt.

Die Symptome einer Mittelohrentzündung bei Kindern

Die Symptome sind je nach Alter unterschiedlich und nicht immer eindeutig. Typisch ist aber der zeitliche Verlauf: «Die Schmerzen sind oft am Nachmittag und Abend am stärksten und lassen nachts wieder nach», weiss der Arzt.


Typische Symptome bei Kindern:

  • starke, oft plötzlich einsetzende Ohrenschmerzen
  • Fieber
  • Reizbarkeit, Weinen oder Unruhe
  • Schlafprobleme
  • Hörminderung (alles klingt dumpf) 
  • manchmal Flüssigkeit, die aus dem Ohr läuft


Bei Babys und Kleinkindern kommen zusätzlich oft folgende Symptome vor:

  • häufiges Greifen oder Reiben am Ohr
  • Trink- oder Essprobleme
  • ungewöhnlich starkes Schreien
  • teilweise Erbrechen oder Durchfall

Mittelohrentzündung bei Kindern: Behandlungsmöglichkeiten

In den meisten Fällen gilt es, die Schmerzen zu lindern und abzuwarten. Die Entzündung heilt oft von selbst.


Entzündungshemmende Schmerzmittel

Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen lindern die Schmerzen und wirken entzündungshemmend. Abschwellende Nasentropfen oder ein Nasenspray mit Kochsalzlösung können ebenfalls helfen. Sie lassen die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum abschwellen. So wird der Verbindungsgang zum Mittelohr freigelegt und die Flüssigkeit kann besser abfliessen. 


Antibiotika bringen oft keinen entscheidenden Vorteil

Mit einem Scheinmedikament (Placebo) sind nach vier bis sieben Tagen 76 von 100 Kindern schmerzfrei, mit einem Antibiotikum sind es 82 von 100. Aber: Vom Antibiotikum bekommen 27 von 100 Kindern Durchfall oder andere Nebenwirkungen, mit Placebo passiert dies 20 von 100 Kindern. Mindestens sieben von zehn Betroffenen überwinden die Mittelohrentzündung ohne Antibiotikum. Ein weiterer Grund ist, dass Antibiotika ausschliesslich gegen Bakterien wirken, nicht aber gegen Viren. Und Viren sind in den meisten Fällen die Ursache einer Mittelohrentzündung. In folgenden Fällen kann die Verordnung eines Antibiotikums durch eine Ärztin oder einen Arzt aber sinnvoll sein: 

  • bei starken Schmerzen oder hohem Fieber
  • wenn die Symptome länger als zwei bis drei Tage anhalten
  • bei sehr kleinen Kindern oder schweren Verläufen


Hausmittel gegen Mittelohrentzündung 

Zwiebelwickel können die Schmerzen lindern, da die ätherischen Öle in der Zwiebel eine abschwellende Wirkung haben. Wärme wirkt ausserdem wohltuend und verbessert die Durchblutung. Man kann beispielsweise ein warmes Kirschkernkissen oder einen warmen Wickel auf das Ohr legen. Aber Vorsicht: Es darf nicht zu heiss sein. 

Vorsicht mit Ölen: Man sollte keinesfalls warmes Öl in die Ohren träufeln. Das kann die Beschwerden verschlimmern und Keime ins Ohr bringen. Auch Wattestäbchen sollte man generell meiden. Sie können den Gehörgang reizen oder verletzen.

Wann sollte man mit seinem Kind zum Arzt gehen?

«Bei Kindern über zwei Jahren und milden Beschwerden kann man den Verlauf nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt ein bis drei Tage lang beobachten», rät Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo. Es gibt jedoch klare Warnzeichen, bei denen ein Arztbesuch notwendig ist: 

Sofort zum Arzt bei:

  • hohem Fieber
  • sich verschlechternder Allgemeinzustand Flüssigkeit, die aus dem Ohr läuft

Auch wenn sich die Symptome nach ein bis zwei Tagen nicht deutlich bessern oder sich sogar verschlimmern.

Was ist ein Paukenerguss bei Kindern?

Manchmal besteht nach dem akuten Infekt noch eine Weile ein «Paukenerguss» mit Flüssigkeit im Mittelohr, sodass die Kinder weniger gut hören. Häufen sich die Mittelohrentzündungen oder bleibt der Paukenerguss bestehen, kann ein HNO-Arzt vorübergehend zum Beispiel ein winziges «Paukenröhrchen» ins Trommelfell einsetzen. «Das Röhrchen sorgt für eine gute Belüftung des Mittelohrs, ermöglicht den Druckausgleich und kann so das Hörvermögen verbessern», erklärt der Arzt.

Kann man Mittelohrentzündungen bei Kindern vorbeugen?

Ganz vermeiden lassen sie sich nicht. Das Risiko lässt sich jedoch durch Impfungen, z. B. gegen Hämophilus- und Pneumokokken-Bakterien, senken. Auch das Stillen in den ersten Lebensmonaten senkt das Risiko. Dank der Muttermilch bauen Babys einen Immunschutz auf, der sie vor Infektionskrankheiten schützen kann.

Fazit: Mittelohrentzündungen bei Kindern

Mittelohrentzündungen bei Kindern sind häufig und meist harmlos. «Wichtig ist, dass man die Symptome richtig einordnet, die Schmerzen lindert, Antibiotika gezielt und nur in Rücksprache mit einer ärztlichen Fachperson einsetzt und Warnzeichen ernst nimmt», fasst Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo zusammen. Und auch wenn Hausmittel helfen können, sie ersetzen keine ärztliche Abklärung. 

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