Nicht nur der Körper ist betroffen: Bei Übergewicht und Adipositas spielt auch die Psyche eine zentrale Rolle. Denn psychische Belastungen können Ursache, Folge oder Verstärker sein und Gewicht sowie Wohlbefinden langfristig beeinflussen.
Psychische Belastungen können eine Gewichtszunahme begünstigen, durch Übergewicht verstärkt werden oder beides gleichzeitig. Gewicht und Psyche stehen oft in einer engen Wechselwirkung – mit Folgen, die im Alltag sichtbar und spürbar werden.
Studien zeigen: Psychische Gesundheit und Körpergewicht beeinflussen sich gegenseitig. Seelische Belastungen können eine Gewichtszunahme begünstigen. Umgekehrt kann ein höheres Körpergewicht das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Beides kann sich gegenseitig verstärken und in einen Kreislauf führen, der nur schwer zu durchbrechen ist.
Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder dauerhaftem Stress haben ein erhöhtes Risiko, an Gewicht zuzunehmen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Manche essen vermehrt aus emotionalen Gründen, bewegen sich weniger oder schlafen schlechter. Auch Stresshormone können den Stoffwechsel beeinflussen und eine Gewichtszunahme begünstigen.
Studien zeigen auch, dass Personen mit Depressionen im späteren Verlauf deutlich häufiger Übergewicht oder Adipositas entwickeln.
Umgekehrt ist ein höheres Körpergewicht mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Angststörungen verbunden. Auch dann, wenn keine klassischen Folgeerkrankungen wie Diabetes vorliegen.
Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist die Gewichtsstigmatisierung. Abwertende Blicke, Kommentare oder Benachteiligung wirken wie dauerhafter Stress. Häufig belastet nicht das Gewicht selbst die Psyche, sondern der Umgang damit in der Gesellschaft.
Unsere schweizweite Studie aus dem Jahr 2025, durchgeführt mit YouGov, zeigt diesen Zusammenhang deutlich: Rund ein Drittel der Befragten hat erfolglos Diäten oder Ernährungsumstellungen ausprobiert. Psychische Belastungen werden dabei an vierter Stelle der Gründe genannt, weshalb Massnahmen zur Gewichtsreduktion scheitern.
Source: YouGov Switzerland 2025 © All rights reserved
Mehr zur Studie: impuls.migros.ch/adipositas-studie
Unsere Studie zeigt auch, dass sich Unterschiede nach Alter zeigen. Besonders junge Erwachsene sind betroffen:
Rund jede fünfte Person mit Übergewicht oder Adipositas berichtet in unserer Studie in Bezug auf Körper oder Gesundheit von negativen Emotionen. Dazu gehören:
Der Alterssplit zeigt klare Unterschiede: Die jüngste Altersgruppe leidet emotional am stärksten unter den Folgen ihrer körperlichen Konstitution. Stress wird bei den 18 bis 29 Jährigen mit 51 % am häufigsten genannt. Mit zunehmendem Alter nehmen Scham, Angst, Stress und Traurigkeit tendenziell ab.
Eine klare Mehrheit der Bevölkerung hat Stigmatisierung aufgrund des Körpergewichts wahrgenommen. Laut unserer Studie erleben die Befragten Stigmatisierung in nahezu allen Lebensbereichen:
Die Auswirkungen auf Psyche und Verhalten
Unsere Studie zeigt: Rund zwei von fünf Personen empfinden diese Erfahrungen als so einschneidend, dass sie ihr Selbstvertrauen beeinträchtigen. Besonders die jüngere Altersgruppe scheint häufiger negativ betroffen zu sein. Dies könnte mit dem insgesamt höheren Anteil an psychischen Begleiterkrankungen zusammenhängen.
Wer sich durch Gewicht, Psyche oder Stigmatisierung belastet fühlt, soll damit nicht allein bleiben. Unterstützung bieten unter anderem: