Die REM-Phase ist die Zeit in der Nacht, in der wir am häufigsten und intensivsten träumen. Warum ist sie für den Körper wichtig, wie viel REM-Schlaf ist optimal und kann man diesen nachholen? Ein Überblick.
Im Verlauf der Nacht durchlaufen wir mehrmals einen Schlafzyklus von rund 90 Minuten. Dieser besteht aus vier Phasen, die sich in wiederkehrender Reihenfolge abwechseln:
Im REM-Schlaf — REM steht für Rapid Eye Movement — bewegen sich die Augen hinter den geschlossenen Lidern besonders schnell. Gleichzeitig wird das Gehirn wieder deutlich aktiver, fast auf einem ähnlichen Niveau wie im Wachzustand. Der Körper reagiert darauf jedoch anders: Die Skelettmuskulatur ist in dieser Phase nahezu vollständig erschlafft, sodass wir uns während unserer Träume nicht bewegen.
Auch verschiedene Körperfunktionen verändern sich im REM-Schlaf: Blutdruck, Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen an und können unregelmässiger werden. «Typisch ist ausserdem, dass die REM-Phasen im Verlauf der Nacht immer länger werden, während die Tiefschlafphasen nach und nach abnehmen», ergänzt Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo, Facharzt HNO und Schlafmedizin. Wir träumen also in den Morgenstunden länger und intensiver als vor Mitternacht.
Viele Menschen erinnern sich morgens nur noch verschwommen an ihren letzten Traum – und oft ist er schon nach wenigen Momenten vergessen. Wer die Erinnerung festhalten möchte, sollte nach dem Aufwachen die Augen noch kurz geschlossen halten. So bleibt der Traum länger präsent und kann sich besser einprägen. Wer meint, nie zu träumen, kann den Wecker zudem etwa 15 Minuten früher stellen: So steigt die Chance, mitten in einer REM-Phase aufzuwachen und sich an den Traum zu erinnern.
Warum wir genau träumen, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Eine verbreitete Theorie besagt, dass Träume uns dabei helfen, Erlebtes zu verarbeiten und Eindrücke emotional einzuordnen.
Nicht nur im REM-Schlaf können wir träumen: Träume sind theoretisch auch im Leichtschlaf und im Tiefschlaf möglich. Besonders häufig, intensiv und lebhaft treten sie jedoch in der REM-Phase auf. Deshalb wird der REM-Schlaf auch oft als Traumschlaf bezeichnet.
Während dieser Phase sind bestimmte Bereiche des Gehirns besonders aktiv. Dazu gehört unter anderem der Thalamus, der an der Verarbeitung und Erzeugung von Bildern, Geräuschen und anderen Sinneseindrücken beteiligt ist, die in Träumen eine wichtige Rolle spielen. Auch die Amygdala — auch Mandelkern genannt — ist aktiv. Sie ist unter anderem für Emotionen und Erinnerungen zuständig, was erklärt, warum Träume oft sehr gefühlsbetont wirken.
Während der REM-Phase verarbeitet das Gehirn Erlebnisse und Emotionen, festigt Erinnerungen und unterstützt die mentale Regeneration. Tiefschlaf hingegen ist besonders wichtig für die körperliche Erholung, etwa für Zellreparatur, Immunsystem und Energiehaushalt. Beide Schlafphasen sind somit wichtig und erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Der REM-Schlaf macht bei Erwachsenen etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten Schlafs aus. Wer also rund acht Stunden pro Nacht schläft, verbringt davon ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden im REM-Schlaf.
Die Dauer der REM-Phasen verändern sich im Laufe des Lebens. Bei Kleinkindern liegt der REM-Schlaf bei ungefähr 50 % des Gesamtschlafs und nimmt dann bis Ende der Jugendzeit auf rund 30 % ab. Im Erwachsenenalter bleibt der Anteil dann über längere Zeit mit 20 bis 25 % des Gesamtschlafs relativ stabil, bevor er ab etwa dem 60. Lebensjahr erneut leicht abnimmt.
Spannender Fakt: Erfahrungen aus dem Schlaflabor zeigen, dass Menschen mit künstlerischen Aktivitäten mehr REM-Schlaf haben.
Zu wenig REM-Schlaf kann Konzentration, Gedächtnis und Stimmung beeinträchtigen. «Wer über längere Zeit zu wenig REM-Schlaf bekommt, ist oft stressanfälliger, weniger belastbar und emotional schneller aus dem Gleichgewicht», betont der Facharzt für Schlafmedizin.
«Bis zu einem gewissen Punkt kann der Körper fehlenden REM-Schlaf in den darauffolgenden Nächten nachholen» erklärt der Experte. Dieses Phänomen nennt sich REM-Rebound: Bekommt man wieder ausreichend Schlaf, verlängert sich die REM-Phase oft automatisch. Dieses Phänomen sehen Schlafmediziner häufig bei der Therapie des Schlafapnoe-Syndroms: Bei der Schlafapnoe unterbrechen die Atempausen die Ausbildung von Tiefschlaf und REM-Schlaf. Wird das Schlafapnoe-Syndrom erfolgreich behandelt, zeigt sich eine enorme Erholung des REM-Schlafs, von mitunter bis zu 40 % des Gesamtschlafs (= REM-Rebound).
Zu viel REM-Schlaf ist in der Regel nicht ungesund. Normalerweise reguliert der Körper die Schlafphasen und ihre Dauer selbst und sorgt so für ein ausgewogenes Verhältnis. Ein echter Überschuss an REM-Schlaf kommt deshalb eher selten vor.
In bestimmten Situationen kann der REM-Schlaf allerdings vorübergehend stark ansteigen. Das ist zum Beispiel nach dem Absetzen von bestimmten Medikamenten wie Antidepressiva oder auch beim Entzug von Alkohol oder Drogen möglich.
Im medizinischen Sinn lässt sich der REM-Schlaf mit Fitness-Trackern nicht exakt bestimmen, weil sie weder Gehirnaktivität noch Augenbewegungen direkt messen. Stattdessen berechnen sie Schlafphasen auf Basis von Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität und Bewegung. «Die Ergebnisse können zwar eine grobe Orientierung liefern, sind im Einzelfall aber oft ungenau», ordnet Dr. med. Mahlo ein.
Mehr dazu: Schlaftracker im Test
Die folgenden Tipps helfen nicht nur dabei, den REM-Schlaf zu verbessern, sondern unterstützen die Schlafqualität generell.