Schnarchen, Atempausen, Tagesmüdigkeit: Dahinter kann eine Schlafapnoe stecken. Warum die Atmung nachts aussetzt, was du selbst tun kannst – und ab wann es gefährlich wird.
Lautes Schnarchen, plötzlich ist es still. Sekunden später folgt ein hörbares Luftschnappen – und das Spiel beginnt von vorn. Dahinter kann eine Schlafapnoe stecken.
Schlafapnoe bedeutet «Atemstillstand im Schlaf». Bei dieser Schlafstörung setzt die Atmung während des Schlafs wiederholt für mindestens zehn Sekunden aus. Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA), bei der erschlaffte Rachenmuskeln die Atemwege vorübergehend verschliessen. Die Atemaussetzer lösen kurze, meist unbemerkte Weckreaktionen aus, damit die Atmung wieder einsetzt.
Seltener tritt die zentrale Schlafapnoe auf. Hier entsteht der Atemstillstand durch eine gestörte Steuerung der Atmung im Gehirn. Daneben gibt es Mischformen, bei denen beide Mechanismen zusammenwirken.
Schlafapnoe kann bei Männern, Frauen und Kindern auftreten. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen. Bei Frauen steigt das Risiko vor allem nach den Wechseljahren.
Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) verengen sich im Schlaf die oberen Atemwege und es kommt zu wiederholten Atemaussetzern. Treten zusätzlich Folgesymptome wie etwa Bluthochdruck oder Tagesschläfrigkeit auf, spricht man vom obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS).
«Im Bereich von Mundrachen und Zungengrund halten keine Knochen oder Knorpel die Atemwege offen, sondern allein die Muskulatur. Entspannt sich diese im Schlaf, können die Atemwege enger werden oder sogar zusammenfallen», erklärt Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo von Medbase Kreuzlingen. Setzt dann die Atmung für mindestens zehn Sekunden aus, löst das Gehirn eine kurze Weckreaktion aus: Die Muskulatur spannt sich wieder an, die Atemwege öffnen sich und die Atmung setzt ein. Meist bemerken Betroffene nichts davon.
Dieser Vorgang kann sich pro Nacht mehr als hundert Mal wiederholen. Die Atemaussetzer treten oft zuerst im REM-Schlaf auf und können später auch andere Schlafphasen betreffen. Die ständigen Weckreaktionen verhindern einen erholsamen Schlaf. Die Folge sind häufig Müdigkeit und Schläfrigkeit. Langfristig steigt zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Diagnose erfolgt über eine Schlafuntersuchung. Meist wird zunächst zu Hause mit einem tragbaren Gerät (Polygraphie) gemessen. Bei Bedarf kann eine genauere Untersuchung im Schlaflabor folgen. Eine frühzeitige Abklärung ist wichtig, da unbehandelte Schlafapnoe langfristig die Gesundheit belasten kann. Mit der richtigen Behandlung schlafen Betroffene oft wieder erholsamer und fühlen sich tagsüber leistungsfähiger.
Anzeichen für eine Schlafapnoe zeigen sich nachts und am Tag.
Typische Symptome in der Nacht:
Symptome des gestörten Schlafs am Tag:
Bei längerem Verlauf kann die Schlafapnoe auch die psychische Gesundheit belasten und depressive Verstimmungen begünstigen.
Frauen entwickeln seltener eine Schlafapnoe als Männer. Das Risiko steigt jedoch während der Schwangerschaft, bei Übergewicht und nach der Menopause deutlich an. «Frauen sind durch ihre hormonelle Ausstattung lange teilweise geschützt», weiss der HNO-Facharzt. «Eine Behandlung mit Hormonen konnte bisher jedoch keine eindeutige vorbeugende Wirkung gegen Schlafapnoe zeigen. Offenbar spielen auch weitere, bislang nicht geklärte Faktoren eine Rolle.»
Frauen schlafen zudem häufig leichter als Männer. Schon Schnarchen kann ihren Schlaf immer wieder stören und erholsamem Tiefschlaf verkürzen. «Das erklärt mit, warum Frauen oft von unspezifischen Beschwerden berichten», so der Experte.
Typische Schlafapnoe-Symptome bei Frauen sind:
Auch Kinder können an Schlafapnoe leiden. Ein Warnsignal ist anhaltendes Schnarchen ohne Erkältung, oft begleitet von Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsproblemen.
Häufig sind vergrösserte Rachen- und Gaumenmandeln die Ursache, weil sie die oberen Atemwege einengen. Bereits ein bis zwei Atempausen pro Stunde können bei Kindern auf eine Schlafapnoe hinweisen. Als Behandlung bietet sich je nach Ursache z. B. eine operative Entfernung der vergrösserten Mandeln an.
Bei der häufigsten Form, der obstruktiven Schlafapnoe, fallen die oberen Atemwege im Schlaf teilweise oder vollständig zusammen. Ursache ist meist ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren:
Sind die oberen Atemwege verengt, muss die Luft beim Einatmen schneller fliessen. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der das weiche Gewebe im Rachen nach innen zieht und zum Schwingen bringt (Bernoulli Prinzip). So entsteht das typische Schnarchgeräusch. Verengt sich der Atemweg weiter, können Atemaussetzer auftreten.
Nicht jedes Schnarchen ist gefährlich. Kritisch wird es, wenn die Atmung im Schlaf wiederholt aussetzt. Zur Einschätzung dient der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Er zeigt, wie viele Atemaussetzer und verminderte Atemflüsse pro Stunde Schlaf auftreten. Ab fünf Ereignissen pro Stunde spricht man von einer Schlafapnoe. Ein AHI von 5 bis 20 gilt als leicht, 20 bis 30 als mittelgradig und ab 30 als schwer.
Der Wert allein entscheidet jedoch nicht über die Behandlung. «Wir beurteilen immer das ganze Bild. Alter und Beschwerden etwa spielen eine Rolle», so der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Somnologie. «Bei einem Kind müssen bereits wenige Atempausen pro Stunde ernst genommen werden. Bei einer älteren Person mit wenigen Ereignissen und ohne Beschwerden kann zunächst eine Lebensstil-Anpassung sinnvoll sein.»
Gefährlich wird Schlafapnoe, wenn die wiederholten Sauerstoffabfälle den Körper dauerhaft belasten. Die daraus entstehenden Stressreaktionen können die Gefässe schädigen.
Unbehandelt steigt das Risiko für:
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. «Manchmal lässt sich eine leichte Schlafapnoe mit Lifestyle-Anpassungen wie Gewichtsreduktion (siehe Abschnitt unten «Tipps im Alltag») oder einem operativen Eingriff zum Verschwinden bringen oder in reines Schnarchen zurückführen», sagt der Medbase-Experte.
Diese Behandlungen kommen zum Einsatz:
Eine leichte Form der Schlafapnoe lässt sich in manchen Fällen durch Veränderungen des Lebensstils positiv beeinflussen. Wichtig ist: Diese Massnahmen ersetzen keinen Arztbesuch.
Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) gehört zu den häufigsten Schlafstörungen. Dabei kommt es im Schlaf wiederholt zu Atemaussetzern. Typisch sind lautes Schnarchen, nächtliche Atempausen und Beschwerden wie Müdigkeit oder Tagesschläfrigkeit. Viele Betroffene bemerken die Atemaussetzer selbst nicht. Oft fällt die Veränderung zuerst dem Partner oder der Partnerin auf. Wer einen Verdacht hat, sollte die Beschwerden beim HNO-Arzt abklären lassen.
«Häufig sind es die Partnerinnen oder Partner, die Veränderungen im Schlaf zuerst bemerken», sagt Dr. med. Hans-Wolfgang Mahlo. «Diese Beobachtungen helfen uns Ärzten bei der Diagnose und Therapieplanung.» Sein Tipp: «Aufeinander achten und die Hinweise der Partnerin oder des Partners ernst nehmen.»
Typische Hinweise sind lautes, unregelmässiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer (etwa durch Partner/Partnerin), nächtliches Luftschnappen sowie starke Müdigkeit am Tag. Auch morgendliche Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme können auftreten. Das sollte man ärztlich abklären lassen.
Die Atemaussetzer bei einer Schlafapnoe sind meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, belasten den Körper jedoch durch wiederholten Sauerstoffmangel und Stressreaktionen. Unbehandelt kann Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie Herzrhythmusstörungen erhöhen. Zudem führt sie häufig zu starker Tagesmüdigkeit, was das Unfallrisiko im Strassenverkehr steigern kann.
Bei leichter Schlafapnoe können Gewichtsabnahme, angepasste Schlafgewohnheiten oder die Behandlung anatomischer Ursachen die Beschwerden deutlich bessern und teilweise zum Verschwinden bringen. Bei schwererer Schlafapnoe lassen sich die Atemaussetzer etwa mit einer Masken-Therapie meist gut kontrollieren.
Eine gut behandelte Schlafapnoe schränkt die Lebenserwartung in der Regel nicht ein. Unbehandelt hingegen kann eine schwere obstruktive Schlafapnoe das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechselstörungen und Unfälle erhöhen. Damit steigt langfristig das Risiko für eine verkürzte Lebenserwartung.
Ja. Mit der passenden Behandlung, zum Beispiel einer Masken-Therapie, können Betroffene in der Regel wieder erholsam schlafen und ihren Alltag uneingeschränkt bewältigen. Wichtig ist, die Therapie konsequent anzuwenden.