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«Ich ging von Anfang an sehr offen mit Brustkrebs um»

Vor einem guten Jahr erkrankte Bea Kutter an Brustkrebs. Trotz Ängsten und belastenden Therapien hat die Do-it + Garden-Mitarbeiterin in dieser Zeit auch viel Positives erlebt.

Die besorgniserregende Neuigkeit

«Das war ein emotionaler Tag: Ende Juli 2023 hatte ich meine letzte Immuntherapie. Dies nach mehr als einem Jahr unablässiger medizinischer Behandlungen. Die Diagnose hatte ich Ende April 2022 erhalten: Brustkrebs. Meine Gynäkologin hatte bei einer Routine-Untersuchung einen Knoten in der rechten Brust festgestellt. Ich selbst hatte zwar beim Abtasten meiner Brüste manchmal schon auch eine Art Kügelchen gespürt, doch später war es dann wieder weg. Deshalb hatte ich es anscheinend zu wenig ernst genommen.

Dieses erste Wochenende nach dem Laborbefund war schlimm. Eigentlich hatte ich meiner Ärztin gesagt, ich wolle erst am Montag informiert werden, um das Ergebnis direkt mit ihr besprechen zu können. Trotzdem sprach mir die Praxisassistentin dann bereits am Freitag auf die Combox und teilte mir mit, sie habe schlechte Nachrichten. Mehr sagte sie nicht, doch mir war natürlich klar, was das bedeutete. Ich war noch an einem Geburtstagsfest eingeladen und trug die besorgniserregende Neuigkeit ganz allein mit mir herum. Was wird auf mich und meine Familie zukommen? Würde ich überleben? Solche Fragen gingen mir pausenlos durch den Kopf. Bevor ich am Montag von der Ärztin Genaueres erfahren würde, wollte ich mit niemandem darüber sprechen, nicht mal mit meinem Mann und meinen beiden erwachsenen Töchtern. Denn noch grösser als die Angst um mich selbst war die Sorge darüber, wie meine nächsten Angehörigen die Sache aufnehmen würden.

Auf die Diagnose folgten zahlreichen Untersuchungen am Kantonsspital Luzern. Diese zogen sich über mehrere Wochen hin. Das Abwarten der Resultate empfand ich als belastend. Schliesslich stellte sich heraus, dass es vier Tumoren gab – einen zwei Zentimeter grossen und drei kleinere. Auch die Lymphknoten waren bereits befallen.

Die vielversprechende Chemotherapie

Kurz darauf startete die Chemotherapie. Weil ich wusste, dass mir bald die Haare ausfallen würden, suchte ich mir in einem spezialisierten Coiffeur-Geschäft eine Perücke aus und liess mir auch gleich die Haare abrasieren. Das war schon hart, als ich den Rasierapparat spürte und meine langen Haare zu Boden fielen. Ich war froh, dass mich meine ganze Familie begleitete. Auch zu den sechs Chemotherapie-Terminen kam immer jemand mit und sass während der Infusion neben mir.

Vor dem ersten Mal hatte ich Albträume. Ich habe mich dort aber sehr wohlgefühlt. Der Onkologe erklärte mir und meinem Mann alles sehr geduldig und einfühlsam, jedoch ohne die Situation zu beschönigen. Obwohl das Wartezimmer der Onkologie-Station stets gut gefüllt war, erlebte ich das Team nie als gestresst. Das Personal nahm sich immer Zeit für Gespräche und umsorgte mich und meine Begleitung mit Getränken, Schokolade und warmen Decken, wenn uns kalt war. Die Atmosphäre war super: Es wurde gewitzelt und wir hatten richtig Spass. Ich fühlte mich extrem wohl. Nach den Chemos ging es mir immer megagut. Ich genehmigte mir jeweils einen Apéro oder ging mit Freunden auswärts essen. Erst am vierten Tag kamen die Nebenwirkungen: Dann war mir jeweils drei Tage lang sterbenselend. Ich musste erbrechen, hatte Durchfall und lag meist nur im Bett.

Abgesehen davon habe ich mich aber das ganze Jahr hindurch nicht wirklich krank gefühlt. Ich konnte mit leicht reduziertem Pensum fast immer arbeiten. Dafür bin ich dankbar, denn ich weiss, dass die meisten Krebs-Betroffenen während der Behandlung pausieren müssen. Ich arbeite gern und die Ablenkung hat mir gutgetan. Das Team war sehr verständnisvoll. Ich konnte relativ häufig im Homeoffice arbeiten.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Reaktionen aus dem Freundeskreis

Auch in meinem Freundeskreis habe ich mich aufgehoben gefühlt. Die ganze Zeit über erhielt ich von überall her Blumen, Geschenke, Anrufe, Nachrichten und Hilfsangebote, sogar von Leuten, die ich gar nicht so gut kenne. Das war extrem schön. Ich ging von Anfang an sehr offen mit meiner Krankheit um. Das hat es den anderen wohl leichter gemacht, mit mir darüber zu sprechen.

Mein Mann dagegen war eher allein in dieser Situation. Seine Freunde haben sich etwas zurückgezogen. Viele hatten wohl Angst, etwas Falsches zu sagen. Dabei hätte es ihm sicher nur schon gutgetan, wenn ihn ab und zu jemand gefragt hätte, wie es ihm gehe.

Erfolgreiche Operation und das Leben danach

Im Oktober wurde ich an der rechten Brust operiert. Ich hatte Glück: Ich konnte meine Brust behalten. Danach ging ich während eines Monats jeden Tag zur Bestrahlung. Das dauerte zwar jeweils nur fünf Minuten, aber danach war ich oft müde. Damit der Krebs nicht zurückkommt, musste ich mich zudem für ein halbes Jahr einer Immuntherapie unterziehen. Alle drei Wochen erhielt ich eine Infusion, die das Immunsystem unterstützt.

Unterdessen fühle ich mich wieder sehr gut und auch meine Haare sind wieder gewachsen. Neben der Arbeit verbringe ich viel Zeit mit Familie und Freunden sowie in meinem Garten, wo ich mich vor allem um Kräuter und Blumen kümmere. Es war kein leichtes Jahr, aber die Erfahrung war auch nicht nur schlecht: Die Krankheit hat mir gezeigt, wie wichtig Freundschaften sind. Und ich glaube, dass ich das Leben mit all seinen Facetten noch mehr schätzen gelernt habe.»

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 02.10.2023


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