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«Ich gewöhnte mich an die Schmerzen der Migräne»

Seit dem Alter von 16 Jahren leidet der heute 41-jährige André* an Migräne. Was er unternommen und was ihm geholfen hat, um die Attacken zu dezimieren.

Zur Person:
  • André (*anonymisiert), 41
  • Musiker in Zürich
  • Verheiratet
  • Vater zweier Buben, 6 und 4

Die Kopfschmerzen suchten mich regelmässig ab dem Alter von ungefähr 16 Jahren heim, anfänglich nur ein bis zwei Mal im Monat am Abend. Ich absolvierte damals eine KV-Lehre. Nach der Arbeit oder der Berufsschule traten im Zug auf dem Nachhauseweg starke Kopfschmerzen auf, die oft zwei Tage anhielten. Auch am Wochenende oder zu Beginn von Ferien litt ich manchmal an «Entspannungskopfschmerzen». Als 16-Jähriger war mir nicht klar, dass ich etwas Besonderes hatte. Vor allem weil auch mein Vater mit Migräne zu kämpfen hatte. Meine Grossmutter väterlicherseits ertrug ihre Kopfschmerzen mit stoischer Ruhe. Damals versuchte man, die Kopfschmerzen mit Hausmitteln zu lindern, nicht mit Medikamenten. Viel trinken, ausgewogen essen, nicht rauchen – so lauteten die Ratschläge. Das Rauchen gab ich nicht auf, doch trank ich immerhin mehr Wasser und achtete aufs Essen (lacht). Es half allerdings nichts.

Lösung 1: Schmerztabletten gegen Kopfschmerzen

Nachdem ich mit 18 von zu Hause ausgezogen war, verstärkten sich die Kopfschmerzen extrem und traten über die Jahre immer häufiger auf. Mit 24 nahm ich die erste – ohne Rezept in der Apotheke erhältliche – Schmerztablette. Sie wirkte tatsächlich. Eine Tablette reichte aber schon bald nicht mehr. Die Kopfwehattacken wurden schlimmer. Als ich drei Pillen auf einen Rutsch einwerfen musste, um eine Wirkung zu erzielen, war klar: Ich musste etwas tun.

Lösung 2: Kopfwehzentrum

Ein zusätzlicher Auslöser war, dass ich mit 35 Familienmensch und Vater wurde – da lag es schlicht nicht mehr drin, einen oder zwei Tage im dunklen Raum zu liegen und für die Familie abwesend zu sein. Ich ging jeweils ins Kinderzimmer, Stores runter, Türe zu, keine Musik, nur dunkel. Man gewöhnt sich an den Schmerz. Meist überkam mich eine Migräne, wenn ich endlich hätte die Familie geniessen können. Bis anhin hatte ich nie ärztlichen Rat gesucht, doch nun suchte ich das Kopfwehzentrum einer Privatklinik in Zürich auf und erhielt dort vor rund sechs Jahren die Diagnose: Migräne.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Lösung 3: Botox

Danach probierte ich alles aus. Von Medikamenten zur Senkung des Blutdrucks – die nichts halfen – über solche, die im Vorfeld einer Attacke nützlich sind bis hin zu Botox. Eine Ärztin, die selber an Migräne leidet und Spezialistin ist, empfahl mir diese zusätzliche Therapie. Sie spritzt mir das Mittel alle drei Monate in den Nacken, rund um die Stirn und die Augen. In der Klinik lernte ich auch verschiedene Geräte kennen, die gegen Migräne wirken können. Etwa ein Stirnband, das elektronische Impulse erzeugt. Wenn die Migräne bereits da ist, entsteht dadurch ein Konterschmerz. Das war jeweils sehr angenehm, als sich die Migräne noch stärker und häufiger meldete als heute. Vor zwei Jahren hatte ich 12 bis 13 harte Attacken pro Monat, unterdessen sind es zwei bis drei.

Lösung 4: Fitnesstraining an den Geräten

Von damals bis heute habe ich verschiedene Medikamente für verschiedene Stadien der Migräne ausprobiert und an Studien teilgenommen, die das Neuste testeten. Die jüngsten Medikamente auf dem Markt helfen in Kombination mit Botox, Sakraltherapie – alle zwei Wochen –, Physiotherapie und Fitnesstraining. Die Physiotherapie hat den Nacken im Fokus, da sich die Kopfschmerzen von dort ausbreiten. Seit einem Jahr gehe ich zwei Mal pro Woche ins Fitnesstraining. Das hat extrem geholfen. Ich trainiere den unteren Rücken, die Wirbelsäule, Nacken und Brust. Jetzt ist alles viel besser und das Training macht mir auch Spass. Kündet sich heute eine Migräne an, muss ich nur noch eine Tablette eines Migränemedikaments nehmen – danach klingen die Schmerzen innerhalb von zwei Stunden ab.

Migränetagebuch führen kann helfen

Ich führe ein Migränetagebuch auf einer App. Dort gebe ich das Datum ein, die Zeit und was ich zu mir genommen oder gemacht habe. Auch andere mögliche Auslöser wie etwa der Einfluss des Wetters kann ich notieren. Bei mir gilt: ändert sich das Wetter extrem, etwa von warm auf Schneefall, taucht die Migräne auf. Alkohol ist ebenfalls ein extremer Auslöser. Ein kleines Bier oder ein Cüpli genügen, und ich muss ab ins Bett. Schwimmen und Jogging hat getriggert. Ich kriegte einen heissen Kopf und danach kam die Migräne. Kurze Anstrengungen sind besser. Obwohl ich Buch führe, habe ich nicht richtig herausgefunden, was alles die Migräne auslösen kann. Es sind sicher 10 bis 15 Auslöser, die triggern.

Das Gleiche gilt für die Behandlung. Ich habe Autogenes Training, Meditation, Kinesiologie, Akupunktur, Chiropraktik und anderes ausprobiert – das hat nichts genützt. Auch auf gewisse Lebensmittel zu verzichten, wie Schoggi oder Fleisch, hat nichts gebracht. Am besten funktionieren bei mir die Botox-Spritze und Fitnesstraining am Gerät und Dehnen danach.  Die Migräne werde ich nie wegkriegen. Doch Training, Botox-Spritze und eine Tablette zwei bis drei Mal pro Monat sind für mich eine gute Lösung.

von Silvia Schütz,

veröffentlicht am 06.12.2021


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