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Gesünder leben?

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Endometriose – wenn «die Tage» extrem schmerzen

Frauen mit starken Schmerzen im Unterleib sollten sich ärztlich abklären lassen. Denn eine langjährige Endometriose kann schwerwiegende Folgen haben.

Bei Endometriose handelt es sich um eine Art Minimenstruation ausserhalb der Gebärmutter. Die äusserst schmerzhafte, entzündliche Erkrankung entsteht durch abgewanderte Gebärmutterschleimhautzellen, die Herde bilden und zu Verwachsungen führen. Lokalisierbar sind sie meist in den Organen des kleinen Beckens, also in den Eierstöcken, um die Gebärmutter, im Enddarm, zwischen Scheide und Enddarm oder am Bauchfell. Selten sind auch andere Organe wie etwa Blase, Blinddarm, Zwerchfell oder Lunge befallen.

Die Symptome und Folgen von Endometriose

Symptome der Endometriose
  1. Die Menstruationsschmerzen werden im Lauf der Jahre stärker
  2. Schmerzen beim Wasserlösen
  3. Schmerzen beim Stuhlgang (manchmal auch Blut im Stuhl)
  4. Schmerzen beim Sex (stellungsabhängig)

Die Herde wuchern zwar in die Organe hinein, machen aber keine Ableger. Deshalb gilt Endometriose im Gegensatz zu Krebs als gutartige Erkrankung. Dennoch schränkt sie das Leben und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen zum Teil in beträchtlichem Mass ein. Zudem ist sie chronisch und fortschreitend und kann zu Unfruchtbarkeit führen.

Welches sind die Ursachen von Endometriose?

Gemäss heutigem Forschungsstand ist die sogenannte retrograde Menstruation der Auslöser von Endometriose. Hierbei fliesst Menstruationsblut, das auch Gebärmutterschleimhautzellen enthält, über die Eierstöcke zurück in den Bauchraum. «Praktisch jede Frau hat solche Rückblutungen», sagt Sara Imboden. «Weshalb sich das Blut jedoch bei gesunden Frauen vollständig wieder auflöst und bei den anderen nicht, wissen wir nicht genau. Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen.»

Langer Leidensweg bis zur Diagnose

Jede zehnte Frau ist von Endometriose betroffen. Weltweit sind es 176 Millionen, in der Schweiz 190'000 Frauen. Damit ist viel Leiden verbunden und auch volkswirtschaftlich fällt die Krankheit ins Gewicht, weil Betroffene regelmässig an der Arbeit fehlen. Oft vergehen etwa sechs bis acht Jahre, bis diese komplexe Krankheit nachgewiesen wird. «Nicht ernst genommen zu werden, ist für viele Frauen schlimmer als die Diagnose selbst», sagt Sara Imboden, die sich bei ihren Endometriose-Sprechstunden mindestens eine Dreiviertelstunde Zeit nimmt. 

In den letzten beiden Jahren hat die Krankheit durch diverse Medienberichte mehr Bekanntheit erlangt. Dies führt dazu, dass sowohl betroffene Frauen, als auch Ärztinnen und Ärzte schneller auf den Verdacht kommen, dass Endometriose der Grund für starke Beschwerden sein könnte. Eine eindeutige Diagnose zu stellen, ist aber weiterhin schwierig. Hinweise auf eine Endometriose können eine mündliche Anamnese geben, Abtasten des Unterleibs sowie Ultraschall-Untersuchungen. Gewissheit über die Grösse und Verbreitung der Zellherde gibt aber weiterhin nur eine Bauchspiegelung – ein Eingriff, der nicht ohne Risiko ist. 

Seit 2022 steht zudem ein Speicheltest zur Verfügung, der eine hohe Genauigkeit verspricht. Die hohen Kosten von knapp 800 Franken werden von der Krankenkasse übernommen. Fachgremien empfehlen den Test aber derzeit noch nicht. «Es sind noch zu viele Fragen offen», erklärt Sara Imboden. Zum Beispiel sei unklar, ob die Resultate eine leichte von einer schweren Endometriose zu unterscheiden vermögen, was ein positives Ergebnis für Frauen ohne Symptome bedeute und was der Test über Adenomyose aussage – eine Form von Endometriose, bei der Gebärmutterschleimhaut auch in der Gebärmutterwand vorkommt. «Wenn diese Fragen geklärt sind, und die hohe Genauigkeit bestätigt wurde, wird ein Test aber bestimmt hilfreich sein.» 

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Wie kann Endometriose behandelt werden?

In der Regel werden Mens-Schmerzen zuerst einmal medikamentös bekämpft. Auch pflanzliche Mittel sowie Anwendungen wie eine warme Bettflasche auf dem Bauch bringen manchen Frauen Erleichterung. Bei einer Endometriose wirken diese sanften Methoden jedoch meist zu wenig. «Viele Frauen schlagen sich mit einer Kombination von stark schmerzstillenden Medikamenten durch», sagt Sara Imboden. «Meist organisieren sie ihr ganzes Leben rund um die Menstruation.»

Ein sehr guter Behandlungsweg ist auch die Hormontherapie. Sie kommt für Frauen infrage, die aktuell nicht schwanger werden wollen. Meist kommen Gestagen-Präparate zum Einsatz, welche die Gebärmutterschleimhaut dünn halten, ohne die Frau künstlich in die Wechseljahre zu versetzen. Nach dem Absetzen ist eine Schwangerschaft möglich – ja, sogar wahrscheinlicher, weil die Hormonbehandlung die weitere Ausbreitung der Zellherde im Bauchraum hemmt. 

Bei schwerer Endometriose kommen Frauen aber oft nicht um eine operative Entfernung der Zellherde herum – besonders, wenn noch ein Kinderwunsch besteht. «Das ist ein langer und äusserst komplexer Eingriff, für den es viel Erfahrung braucht», sagt Sara Imboden, die auch selber operiert. 

In Kombination mit ärztlichen Behandlungen profitieren viele Betroffene von einer mediterranen und ballaststoffreichen Ernährung, die Darmbeschwerden lindert. Auch physiotherapeutische Verfahren, psychologische Begleitung und Entspannungstechniken können die Lebensqualität verbessern. Entspannung bringt oft auch eine Schwangerschaft, weil sie die Schleimhautbildung unterdrückt. Leider sei die Chance auf eigene Kinder bei einer langen Geschichte mit Endometriose reduziert, weiss die Gynäkologin. «Deshalb ist es so wichtig, die Krankheit in einem frühen Stadium zu erkennen, bevor sie Unfruchtbarkeit zur Folge hat.» 

Selbsthilfegruppe: www.endo-help.ch

von Dora Horvath und Andrea Söldi,

veröffentlicht am 15.01.2019, angepasst am 18.04.2023


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