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Wie Melanie Hasler zur Bobfahrerin wurde

Fahrten mit Topspeed im Eiskanal standen eigentlich nicht auf Melanie Haslers Lebensplan. Doch innert fünf Jahren hat sich die Bob-Pilotin zur besten Schweizerin hochgearbeitet. Für das anstrengende Training sind nicht nur Muskeln gefragt.

Der Trainer gibt das Startsignal, die schlanke, fast schon zierlich wirkende Frau sprintet los und schiebt den 180 Kilogramm schweren Wagen auf Rädern an. Er rollt auf Schienen, die in eine Tartanbahn eingelassen sind. Kraftvoll stösst die 24-Jährige das Gefährt vorwärts, zuerst geradeaus, dann neigt sich die Bahn leicht abwärts, der Trainingsbob nimmt Fahrt auf. Power pur, die Muskeln arbeiten auf Hochtouren. Jetzt gilt es, im richtigen Moment aufzuspringen. Wie eine Hürdenläuferin fliegt die Aargauerin durch die Luft – geschafft.

Die junge Frau heisst Melanie Hasler und ist seit den Olympischen Spielen 2022 in Peking die Schweizer Bobhoffnung. Millionen Menschen fiebern mit, während sie mit 140 Stundenkilometern den Eiskanal hinunterrast. Sie erreicht an den Olympischen Winterspielen in Peking auf Anhieb den sechsten Platz im Zweierbob und den siebten Platz in der neuen olympischen Disziplin Monobob. Jetzt – im Sommer – bereitet sie sich für die bevorstehende Weltcup-Saison vor.

Technik am Start ist im Bob entscheidend

Auf der Bahn im Sportzentrum Kerenzerberg oberhalb des Walensees trainieren heute vier Bobfahrerinnen die Technik, die am Start mitentscheidet, wie schnell der Bob ins Ziel rast. Ziemlich ausser Atem kommen die muskulösen, durchtrainierten Sportlerinnen nach einem Versuch zurück, während der Wagen automatisch wieder zum Start rollt. Es wird viel gelacht, wenn sie nicht an der Reihe sind, sondern sich auf Stühlen erholen. Am Ende des Morgens sind alle erschöpft.

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So kam Melanie Hasler zum Bobsport

Der Geschwindigkeitsrausch im Bob Run gehörte ursprünglich nicht zu den Lebenszielen der jungen Frau. Bis vor fünf Jahren war sie nämlich in einer ganz anderen Disziplin aktiv: Sie spielte Hallen- und Beachvolleyball in der Junioren-Nationalliga B. «Ich komme aus einer sportlichen Familie und habe die körperliche Basis bereits als Kind aufgebaut», erzählt sie. Ab der Oberstufe besuchte sie eine Sportschule und absolvierte das Sport-KV. Wegen ihrer ausserordentlichen Sprungkraft wurde sie – 19-jährig – von einem Nachwuchstrainer der Schweizer Bobfahrer entdeckt und abgeworben. Nach einer Probefahrt im St. Moritzer Eiskanal tauschte sie den Volleyball auf der Stelle gegen den Bobschlitten aus. «Ich hatte einen richtigen Adrenalinkick». 

Kann man vom Bobsport leben?

Seit August 2022 ist sie vollamtlich in der Armee als Spitzensportlerin angestellt. «Als Armeeangestellte bin ich für die nächsten vier Jahre finanziell abgesichert und kann mich voll auf den Sport konzentrieren», sagt die junge Frau erfreut. Ihren Teilzeit-Job bei einer Versicherung hat sie gekündigt.

Neben dem Anschieben stehen auch Sprint- und Krafttraining regelmässig auf dem Programm. Täglich trainiert Hasler heute zwischen zwei und vier Stunden, teilweise im Team und mit Trainer, teilweise allein. Viel Zeit würden auch Aufgaben wie etwa das Akquirieren und Pflegen von Sponsoren sowie die Medienarbeit beanspruchen, sagt die Leiterin des Bobteams Hasler. Das sei fast wie eine Firma führen.

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Das Wichtigste: Kurven genau kennen

Besonders anstrengend wird das Training jeweils von Oktober bis März. Dann ist das Team fast pausenlos unterwegs. Die ersten Trainings auf dem Eis finden auf künstlich gekühlten Bahnen in Deutschland statt, danach stehen Wettkämpfe an. Vor dem Rennen darf sie jede Strecke sechsmal abfahren und wird dabei gefilmt. «Ich gehe den Verlauf der Bahn im Kopf immer und immer wieder durch», sagt sie. «Während der Fahrt benötige ich eine enorme Konzentration. 50 Prozent der Leistung sind Kopfsache.» Um sich stets wieder von neuem zu motivieren, brauche sie ein konkretes Ziel vor Augen. Aktuell will sie ihr Körpergewicht von 70 auf 75 Kilogramm steigern. Das bringt Kraft und das zusätzliche Gewicht Speed. Wichtig sei auch, Geduld und Vertrauen zu haben. «Man darf nicht verzweifeln, wenn es mal nicht wie gewünscht vorwärtsgeht.»

Ohne Druck in die neue Saison

Trotz der grossen Anstrengungen freut sich die Bobpilotin enorm auf die Weltcup-Saison, die Mitte November in Kanada und den USA beginnt. Auf diesen Bahnen habe sie noch keine Erfahrung. Ob sie an ihren olympischen Erfolg anknüpfen wird, sei deshalb ungewiss. «Ich mache mir keinen Druck», sagt sie. Entspannung findet sie sicher während des kurzen Heimurlaubs über die Weihnachtstage, den sie mit ihren Eltern und drei Geschwistern im aargauischen Berikon verbringt.

 

Fotos: © Michael Sieber

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 21.09.2022, angepasst am 20.10.2022


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