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Was bewirkt die Zeitumstellung im Körper?

Der Wechsel von der Winter- auf die Sommerzeit ist wie ein Mini-Jetlag. Der Chronobiologe Achim Kramer erklärt, was die Konsequenzen sind.

Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

Als im Frühjahr 1916 erstmals im damaligen Deutschen Reich und in Grossbritannien an der Uhr gedreht wurde, brachten die Engländer die Neuerung auf einen einprägsamen Begriff: Die «Daylight Saving Time» (Tageslicht sparende Zeit) sollte dazu dienen, die tägliche Zeitspanne an Sonnenlicht zu verlängern.

Ab 1975, im Nachgang zur Ölkrise, beschlossen die meisten europäischen Länder eine gemeinsame Zeitumstellung. Das Ziel war dasselbe. Die Schweiz schloss sich erst 1981 an.

Wird mit der Sommerzeit Energie gespart?

Heute, fast 50 Jahre später, ist längst klar: Das Argument, das Tageslicht besser zu nutzen, um Energie zu sparen, hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Es wird zwar an hellen Sommerabenden weniger Strom für Licht gebraucht, dafür aber mehr Energie bei der abendlichen Freizeitgestaltung.

Doch nicht nur deswegen wird der Ruf der Zeitumstellung seit Jahren schlechter. Laut der aktuellsten Umfrage von Forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) halten in Deutschland nur 80 Prozent die jährliche Zeitumstellung für sinnvoll. Fachleute wie der Chronobiologe Till Roenneberg erklären die wachsende Abneigung nicht nur mit dem Wunsch der Menschen, länger zu schlafen.

«Die Leute merken auch: Das Uhrendrehen schadet ihrer Gesundheit», ist der Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Universität München überzeugt. 

Schlafmangel und Herzinfarkte wegen Zeitumstellung?

«Die Zeitumstellung wirkt wie ein Mini-Jetlag auf den Organismus», so Achim Kramer, Chronobiologe an der Berliner Charité und Berufskollege von Ronneberg. Wir müssten plötzlich zu einer Zeit aufstehen, zu der bei vielen Menschen innerlich noch Tiefschlaf angesagt ist. Das habe Konsequenzen für die Aufmerksamkeit. Studien zeigten etwa, dass es in den Tagen danach mehr Unfälle gibt und auch vermehrt gesundheitliche Probleme auftreten.

Tatsächlich geben in der Forsa-Befragung 28% gesundheitliche Probleme an. Kramers Berufskollege Roenneberg hält solche Symptome nur für die Spitze des Eisbergs. «Durch Schlafmangel steigt das Risiko, krank zu werden. Das betrifft alle Krankheiten von Schnupfen bis Krebs», sagt der Mediziner.

So zeigten schwedische Forscher 2008 in einer Studie im Fachjournal New England Journal of Medicine, dass in der Woche nach der Umstellung auf Sommerzeit die Herzinfarkt-Rate enorm nach oben schnellt. Zudem sinke die Aufmerksamkeit, was Unfälle wahrscheinlicher mache, so Roenneberg.

Ist das längere Tageslicht kein Vorteil?

Der Vorteil, dass es durch die Umstellung abends länger hell ist – was unserer Stimmung guttut, stimmt gemäss Kramer. Allerdings nähmen wir dafür in Kauf, morgens eine Stunde früher aufzustehen – und das tue uns nicht gut. Ohnehin ständen wir meist zu früh auf. Eine Untersuchung von Till Roenneberg zeigt, dass es sehr viel mehr Spät- als Frühtypen gibt. Das heisst: Die meisten Leute stehen für ihren inneren Rhythmus zu früh auf. Die Sommerzeit bringt diesen Rhythmus noch mehr aus dem Takt.

Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Geplagte können jedoch hoffen: Die EU-Kommission hat schon 2018 vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Bis aber geklärt ist, ab wann in welchem Land welche Zeit gelten soll, wird es wohl noch eine Weile dauern. Bis dahin bleibt sie auch uns erhalten, die ungesunde Stunde.

Kramer würde gerne die Sommerzeit abschaffen. Allerdings müsse man das europaweit machen – und da sieht er Probleme. Denn der Chronotyp ist auch vom Längengrad abhängig. An der französischen Atlantikküste wird es viel später hell als bei uns. An der polnischen Ostgrenze dagegen, wo unsere Zeitzone endet, geht die Sonne anderthalb Stunden früher auf. Deswegen sei es so schwierig, eine europäische Lösung hinzubekommen.

Für Kramer ein möglicher Kompromiss: Wenn man die Sommerzeit erst Anfang Juni einführen und Ende August abschaffen würde, hätte das auf die innere Uhr viel weniger Auswirkungen. Dann müssten die Menschen nicht auf ihren natürlichen Zeitgeber verzichten: das Licht am Morgen.

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von Michael Augst,

veröffentlicht am 17.03.2017, angepasst am 10.10.2023


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