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Pssst! Die Natur geniessen in der Ruhezone Ponthaux

Seit kurzem ist eine Karte der Ruhezonen des Mittellandes öffentlich zugänglich. Vor den Toren von Freiburg liegt das Hochplateau der Gemeinde Ponthaux, auf dem sich Burgerwälder, versteckte Lichtungen, romantische Schilfgürtel und idyllische Bäche abwechseln.

Ruhe finden in der Region Ponthaux

Um die Theorie auf der Karte mit der Realität vor Ort zu vergleichen, sind wir vor die Tore Freiburgs in die Region Ponthaux, eine der erfassten Ruhezonen, gereist.

1. Der Start oberhalb von Nierlet-les-Bois

Die Entdeckung dieses sehr ruhigen Gebietes beginnt oberhalb von Nierlet-les-Bois, einem hübschen Bauerndorf, das wie durch ein Wunder noch frei von der traditionellen Villengegend ist. Am Rande des Burgerwaldes von Freiburg, beim Hinweisschild «Ponthaux'view 1», bietet eine gemütliche Holzbank eine atemberaubende Aussicht auf den Moléson und an klaren Tagen auf den Mont-Blanc. Roman Hapka, Vizepräsident der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, hat vor Ort Erhebungen durchgeführt, um den vom Institut PLUS berechneten Ruhepegel zu bestätigen. «Wir befinden uns hier in einer mosaikartigen Waldlandschaft, die von Wiesen und durchsetzt ist. Während der Pandemie kam es zu einem Anstieg der Besucherzahlen, und einige Wanderer*innen übernahmen teilweise die Aufgabe der Polizei, indem sie Autofahrer*innen, die versuchten, in das Gebiet zu fahren, darauf hinwiesen, dass dies verboten sei. Das zeigt, dass die Freiburger*innen sich diesen Raum zu eigen gemacht haben.»

Plötzlich erinnern zwei über unsere Köpfe hinweg fliegende Kampfflugzeuge daran, dass der Luftwaffenstützpunkt Payerne nicht weit entfernt ist. Zweifel kommen auf: Befinden wir uns wirklich in einer Ruhezone? Roman Hapka beruhigt: «Mit solchen Flugzeugen muss man rechnen. Sie fliegen über das gesamte Gebiet der Schweiz und machen überall Lärm, sogar in den Alpen. Davon abgesehen ist diese Ruhezone wirklich sehr ruhig.» Davon ist man sofort überzeugt, denn nach einigen Sekunden setzt der Gesang der vielen Vögel wieder ein.

2. Das meditative Sumpfgebiet La Biolère

Unterhalb des Waldes liegt La Biolère, ein Sumpfgebiet von nationaler Bedeutung, das in einem kleinen Talkessel liegt. Als wir hier vorbeikamen, wurde der Schilfgürtel gerade gemäht, damit die Erde nicht austrocknet, aber bald wird er wieder Farbe annehmen und wieder Amphibien und Brutvögel beherbergen. In der Nähe wachsen persische Veronika, was die Bienen des nahe gelegenen Bienenstocks freuen wird. Wer den Schritt verlangsamt, dem fallen sofort verschiedene Details auf. Jetzt gilt es nur noch, zu schweigen und den Klängen der Natur zuzuhören. Ja, hier ist die Landschaft meditativ und entspannend.

3. Die beruhigende Lichtung auf dem Hügel Piamont

Wir setzen die Erkundung dieser Ruhezone auf dem Gipfel des Hügels von Piamont fort, wo wir ebenfalls ein beruhigendes Gefühl empfinden, als wir eine grosse Lichtung betreten. «Obwohl die Via Jacobi direkt nebenan verläuft, ist diese Zone versteckt und viele Wanderer*innen wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Umgeben von hohen Bäumen sind wir hier wie von der Welt abgeschnitten. Der einzige Lichtblick ist ein Fenster im Himmel», beschreibt Roman Hapka, der sichtlich begeistert ist.

4. Von der Idylle zurück in die Realität

Weiter unten schlängelt sich ein Bach – die Sonnaz – im Schatten der Bäume vom Seedorfer See bis zum Schiffenensee. Das Tal ist sehr idyllisch, vor allem bei der privaten Courtaney-Mühle, die in ein Ferienhaus umgewandelt wurde.

Der Kontrast zu dieser unberührten Gegend wird noch grösser, wenn man nach Avry hinauffährt und nach weniger als einem Kilometer den unaufhörlichen Verkehr der Kantonsstrasse und eine Reihe von Einkaufszentren, darunter auch das von Migros, antrifft. Eine ziemlich brutale Rückkehr in die Realität... Diese Nähe ist jedoch auch ein Vorteil, denn sie zeigt zugleich, dass man umgekehrt nur ein paar hundert Meter gehen muss, um die moderne Welt hinter sich zu lassen und sich in unberührten Gebieten zu entspannen, wo man seinen inneren Frieden finden kann.

  • Start: TPF-Bushaltestelle in Nierlet-les-Bois, Zentrum
  • Ziel: TPF-Bushaltestelle Avry, Dorf oder SBB-Bahnhof Rosé
  • Länge: 7 km; ca. 3 Stunden (inkl. Picknickpause)
  • Download Route

Die Ruhezonen im Schweizer Mittelland

Ruhezonen in der Schweiz

Auf map.geo.admin.ch («Tranquillity Gebiete» ankreuzen) oder direkt über die Swisstopo-App («Ruhezonen» ankreuzen).

Alle Personen, die empfindlich auf Lärmbelästigung reagieren, sollten sich daher unbedingt die Karte mit den Ruhezonen im Schweizer Mittelland ansehen. Diese wurde 2020 von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) und dem Institut PLUS der ETH Zürich erstellt (siehe Box). Es gibt mehr als fünfzig Gebiete von jeweils mindestens 5 km2, in denen man sich abseits der Zivilisation erholen können soll.

Wie legt man Ruhezonen fest?

Wie haben Sie die Ruhezonen definiert?

Maarten van Strien - Forscher am PLUS: Wir haben für jeden Hektar des Mittellandes einen Ruhe-Index festgelegt. Dieser wurde anhand einer Reihe von akustischen Kriterien wie Verkehrslärm, aber auch zahlreicher visueller Kriterien wie dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Hochspannungsleitung berechnet. Gebiete mit einer Fläche von mindestens 5 km2, die zusammenhängend sind, d. h. nicht von einer asphaltierten Strasse durchquert werden, und den höchsten Ruheindex aufweisen, wurden als Ruhezonen eingestuft.

Wie wurde die Messung der verschiedenen Parameter durchgeführt?

Wir verwendeten vorhandene Daten von Swisstopo sowie von verschiedenen Bundesämtern und -instituten. Wir haben keine eigenen Messungen durchgeführt. In einigen Gebieten wurden jedoch Erhebungen vor Ort durchgeführt, um unsere Berechnungen zu bestätigen.

Ist die Karte auch ein neues Instrument der Raumplanung?

Diese Karte soll in erster Linie informieren und zeigen, welche Gebiete in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas zum Entspannen einladen. Derzeit wird sie nicht für die Raumplanung verwendet und sie ist nicht verbindlich. Wir sind jedoch der Meinung, dass es sinnvoll wäre, diese Räume bei der Planung neuer Infrastruktur zu berücksichtigen. Viele Ruhezonen bieten nicht nur zahlreiche Vorteile für den Menschen, sondern sind auch wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

So wirkt sich Lärm auf die Gesundheit aus

Schweizer*innen leiden unter Lärm. Laut dem Bundesamt für Statistik gaben 2019 31% der Bevölkerung an, sich durch Verkehrslärm «sehr stark» oder «eher stark» gestört zu fühlen. Und Ende März zeigte eine Untersuchung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Selbstmordrisiko.

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von Pierre Wuthrich,

veröffentlicht am 14.04.2023


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