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Gesünder leben?

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Das Runner's High: Was steckt wirklich dahinter?

Die Beine fühlen sich schwerelos an und es läuft gefühlt von alleine – davon träumt wohl jeder, der regelmässig joggt. Doch wie erreicht man diesen Zustand, das sogenannte Runner's High, und was passiert dabei im Körper?

Was ist das Runner's High?

Gut zu wissen

Obwohl das Runner's High am häufigsten beim Joggen erlebt wird, kann es theoretisch auch bei anderen Ausdauersportarten wie Velofahren auftreten. 

«Das Runner's High ist ein Gefühl von Euphorie, das vor allem bei längeren Läufen auftreten kann», erklärt Hardy Hartmut Hüttemann, Leiter Medbase Basel Hauwaage. Es beschreibt einen Zustand, in dem sich das Laufen völlig mühelos anfühlt, als würden scheinbar endlose Energiereserven freigesetzt – man hat das Gefühl, ewig weiterrennen zu können. Wie genau sich das Runner's High anfühlt ist von Läufer zu Läufer verschieden, aber der Zustand wird oft mit einer intensiven inneren Zufriedenheit und einem klaren Geist verbunden, während körperliche Anstrengung oder auch Schmerzen kaum wahrgenommen werden. 

Was passiert beim Runner's High im Körper?

Beim Runner's High spielen biochemische Prozesse im Körper eine zentrale Rolle. Früher wurde angenommen, dass Endorphine – also Glückshormone – für dieses Gefühl verantwortlich sind. Denn: Sie werden beim Sport vermehrt produziert, wirken schmerzreduzierend und werden mit einem verbesserten Wohlbefinden assoziiert. Allerdings hat sich herausgestellt, dass Endorphine zwar im Blut ausgeschüttet werden, die Blut-Hirn-Schranke jedoch nicht überwinden können. Somit können sie direkt im Gehirn gar keine Wirkung entfalten.

Neuere Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Endocannabinoide die Hauptursache für das Runner's High sind. Diese natürlichen Substanzen werden beim Laufen im Körper produziert und docken an dieselben Rezeptoren im Gehirn an wie THC, der psychoaktive Wirkstoff in Cannabis. Dadurch wird quasi ein Rauschzustand ausgelöst, das sogenannte «High», das mit Euphorie, Schmerzbetäubung und einem Gefühl der Leichtigkeit verbunden ist. «An sich ist das Runner's High nicht gefährlich. Allerdings besteht das Risiko für eine Sucht, so dass es bei fehlendem Lauftraining zu Entzugserscheinungen kommen kann oder auch zu depressiven Verstimmungen, wenn sich das Runner's High nicht einstellt. Zudem spüren wir unseren Körper im Moment des Runner's High weniger gut, was zu strukturellen Überlastungen und Unfällen führen kann», ergänzt der Experte.

Sind Flow und Runner's High dasselbe?

Das Runner's High und der Flow-Zustand sind zwei unterschiedliche Phänomene, die sich zwar ähnlich anfühlen können, aber unterschiedliche Ursachen und Charakteristika haben. Während das Runner's High eine direkte Reaktion des Körpers ist, basiert der Flow auf der Harmonie zwischen Geist und Handlung – beide Zustände können jedoch das Gefühl vermitteln, dass man sich mühelos und vollkommen im Moment befindet.

Das Runner's High ist ein physiologischer Zustand, der durch biochemische Prozesse im Körper ausgelöst wird, insbesondere durch die Freisetzung von verschiedenen Botenstoffen, die eine schmerzreduzierende Wirkung haben und meistens plötzlich eintreten. Es ist stark mit körperlicher Aktivität und Ausdauerbelastung verbunden und äussert sich oft in einem Gefühl von Euphorie und Leichtigkeit.

Der Flow-Zustand hingegen ist ein mentales, neurobiologisches Konstrukt, das entsteht, wenn man sich ganz im Einklang mit einer Aufgabe und der eigenen Leistungsfähigkeit fühlt. Der Flow tritt meist langsam und stetig auf und ist weniger von körperlichen Prozessen abhängig, sondern von der mentalen Fokussierung und dem Erleben von Herausforderung und Kontrolle.

Wie erreicht man das Runner's High?

Ob und wie man das Runner's High erreichen kann, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab:

  • Metabolismus: Entscheidend ist unter anderem, wie viele stimulierende Stoffe der Körper eines Menschen produziert und ausschüttet – dies variiert stark von Person zu Person.
  • Trainingsdauer: Die Wahrscheinlichkeit, diesen Zustand zu erleben, ist bei längeren Distanzen grösser.
  • Trainingszeitpunkt: Studien zeigen, dass der Endocannabinoid-Spiegel morgens am höchsten ist. Ein Training in den Morgenstunden kann also dabei helfen, das Runner's High zu erleben. Zudem scheint ein intensives Training am Vortag und ein Körper, der sich dadurch im Regenerationsmodus befindet, die Chance zu erhöhen. 
  • Trainingsfrequenz: Regelmässiges Laufen führt häufiger zu Runner's Highs als nur sporadische Trainings. 
  • Trainingsintensität: Um das Runner's High zu fördern, sind Monotonie und ein gleichmässiges Tempo hilfreich, da sie den Körper in einen rhythmischen Zustand versetzen. Die richtige Intensität spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Ist das Training zu intensiv, kann es stressig wirken, während zu wenig Intensität keine ausreichenden Reize setzt. Optimal ist ein Training bei etwa 70 bis 75 % der maximalen Herzfrequenz, da dieser Bereich genügend Belastung bietet, ohne den Körper zu überfordern.
  • Trainingsort: Ein angenehmes Umfeld, wie eine schöne Landschaft, kann zusätzlich unterstützend wirken.
hhuettemann
Wenn das Runner's High einfach nicht kommen will, ist es wichtig, geduldig zu bleiben und sich nicht zu verkrampfen.
Dr. med. Hardy Hartmut Hüttemann, Leiter Medbase Basel Heuwaage, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation

Was tun, wenn das Runner's High einfach nicht eintreten will?

«Wenn das Runner's High einfach nicht kommen will, ist es wichtig, geduldig zu bleiben und sich nicht zu verkrampfen», betont der Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation. «Das Phänomen ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab, wie der körperlichen Verfassung, der Intensität des Trainings und den biochemischen Prozessen im Körper. Es gibt viele Läufer, die trotz regelmässigen und intensiven Trainings nie über ein Runner's High berichten können.»

Statt sich ausschliesslich darauf zu fokussieren, das Runner's High zu erreichen, sollte man die positiven Effekte des Laufens auf das emotionale und körperliche Wohlbefinden wertschätzen. Der Flow State ist der häufig einfacher zu erreichende Zustand, bei dem zwar die Euphorie fehlt, aber auf der anderen Seite besser zu kontrollieren ist. Und auch abseits von Flow State und Runner's High fördert Laufen die Gesundheit, reduziert Stress, fördert die mentale Klarheit und hebt die Stimmung.

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von Lara Brunner,

veröffentlicht am 13.01.2026


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