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Jakobsweg, Via Gottardo & Co: 6 Weitwanderwege durch die Schweiz

Weitwandern in der Schweiz ist ein Hochgenuss, ob pilgernd oder wandernd. Die sechs europäischen Routen, die durch die Schweiz führen, kannst du in Etappen oder am Stück in Angriff nehmen.

Jakobsweg

Mit «Buen camino» Santiago de Compostela entgegen

«Buen camino». Den traditionellen Pilgergruss nimmt man gerne entgegen, ist man auf dem Jakobsweg unterwegs, dem wohl berühmtesten Pilgerweg Europas. Er führt Menschen auf einem weit verzweigten Wegsystem zum Grab des heiligen Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela, in die nordwestlichste Ecke Spaniens. Beachtliche 2000 Kilometer sind es von der Schweiz dorthin – gut, kann man den Jakobsweg kürzer haben, mit einer Mehrtageswanderung auf der Via Jacobi Nummer 4, der Jakobsweg-Hauptroute zwischen dem Bodensee und Genf. Egal, ob man mit spirituellem Hintergrund wandert – ausgerüstet mit Jakobsmuschel, Pilgerstab und Pilgerpass – oder einfach nur ein paar Tage unterwegs sein will: Eine Tour auf dem Jakobsweg ist immer auch eine Reise zu sich selbst. Die herzlichen Begegnungen mit Menschen am und auf dem Weg, die imposanten historischen und religiösen Stätten und das Mosaik an voralpinen Landschaften schaffen bleibende Erinnerungen.

Übernachtungsperlen am Weg: Sich ganz wie ein Pilger oder eine Pilgerin fühlen und in einer Pilgerherberge übernachten. Das kann man zum Beispiel in der Pilgerherberge St. Gallen. Sie wird ehrenamtlich von Hospitaleras und Hospitaleros geführt, ehemaligen Pilgerinnen und Pilgern. Für 20 Franken und gegen Vorlage des Pilgerpasses darf man eine Nacht bleiben, Grundnahrungsmittel und Kaffee sind inbegriffen. Gekocht wird selber in der Pilgerküche, eine Gitarre und Spiele sorgen für Abwechslung. Wer es spiritueller mag, ist im Kloster Einsiedeln bestens aufgehoben. Drei einfache Pilgerzimmer bieten bis zu 13 Menschen Platz, nach alter Pilgertradition wird nicht reserviert, sondern man vertraut darauf, beim Eintreffen noch ein freies Bett vorzufinden. An den Gottesdiensten der Benediktinermönche sind die Jakobspilgernden willkommen.

Infos zum Weg:

Jura-Höhenweg

Auf dem Klassiker den Jura durchqueren

1906 machte sich der Schweizerische Juraverein daran, den Wanderfreudigen den Jura zugänglich zu machen. Herausgekommen ist ein Wegnetz von 650 Kilometern Länge mit einem Weitwanderweg von Regensberg bei Zürich nach Genf als Herzstück. Der sogenannte Jura-Höhenweg erhielt sogar eine eigene rot-gelbe Markierung, er gilt als erster einheitlich markierter Weitwanderweg der Schweiz. Ein Klassiker ist er bis heute, macht er doch den Jura in seiner ganzen Vielfalt erlebbar. Dieser präsentiert sich mal sanft mit weitläufigen Landschaften, blumenübersäten Wiesen und lieblichen Anhöhen, dann wieder wild mit zerklüfteten Schluchten, Graten und urigen Wäldern; einsame Bergbauernhöfe mit Kühen und Pferden gehören genauso zum Jura wie Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Die Wege sind mal breit und reich frequentiert, dann wieder begegnet man stundenlang keinem Menschen auf wurzel- und steindurchsetzten Pfaden. Schliesslich lockt stets die Aussicht aufs Mittelland mit seinen Seen, auf den Schwarzwald und die Alpenkette vom Säntis bis zum Mont Blanc. Wer einmal auf dem Jura-Höhenweg unterwegs war, kehrt gerne zurück.

Übernachtungsperlen am Weg: Seminarhaus, Jugendstilhotel, Kurhaus, Gipfelhotel, Bergbauernhof, Herrenhaus – entlang des Jura-Höhenwegs ist für Vielfalt gesorgt. Das Seminarhaus Herzberg verwöhnt mit Traumlage im Aargauer Jura und regionaler Bio-Küche, im neubarocken Jugendstilhotel Erica Langenbruck nächtigt man im letzten Zeugen des einstigen Baselbieter Luftkurorts, das Hotel Weissenstein auf dem Solothurner Hausberg empfängt im Glanz und Stil altehrwürdiger Kurhäuser, auf dem Chasseral schläft man auf dem bekanntesten und höchsten Berg des Berner Jura mit der ganzen Schweiz zu Füssen, die Ferme du Soliat punktet mit hausgemachtem Fondue, Brot aus dem Holzofen und Sonnenaufgängen über dem Felsenkessel Creux du Van, für die man sein Nachtlager im ehemaligen Stall noch so gerne verlässt, und das Herrenhaus Domaine de Bois-Bougy in Nyon lädt zum Schluss der Jura-Höhenwanderung ein, sich mit Blick über die Weinberge und den Genfersee wie ein König oder eine Königin zu fühlen und im herrschaftlich-nostalgischen Genuss zu schwelgen.

Infos zum Weg:

Via Spluga

Zweitausend Jahre Transitgeschichte unter den Wanderschuhen

Getreide, Wein, Salz, Felle, Gewürze, Waffen, Stoffe, Geld, Briefe – ab dem 15. Jahrhundert war der Splügenpass zwischen dem bündnerischen Thusis und dem oberitalienischen Chiavenna eine der wichtigsten Handelsrouten Europas. Die ältesten Spuren führen gar bis zu den Römern. Tempi passati. Heute reisen Menschen und Waren auf anderen Strecken über die Alpen, San Bernardino, Gotthard und Brenner haben dem Splügen den Rang abgelaufen. Die Geschichte des Passes indes lässt sich immer noch erleben, auf einer Wanderung entlang der Via Spluga, die der ehemaligen Säumerroute folgt. An Höhepunkten mangelt es nicht. Bleibende Eindrücke versprechen der schwindelerregend hohe Traversiner Hängesteig sowie die Schluchten Via Mala und Roffla, durch die sich der Hinterrhein brüllend und schäumend zwängt, die historischen Dörfer Zillis, Andeer und Splügen mit Ortskernen aus der Säumerzeit, der ehemalige Säumerpfad über den Splügenpass und der Abstieg durch die wildromantische Cardinello-Schlucht nach Chiavenna, das mit seinen engen Gassen, prunkvollen Kirchen und Palazzi und den gemütlichen Bars italienisches Flair verströmt.

Übernachtungsperlen am Weg: Einige Hotels entlang der Via Spluga laden zu einer Reise in die Vergangenheit. Im schlossähnlichen Hotel Fravi in Andeer erholen sich seit 1828 Gäste im warmen, mineralreichen Wasser einer nahen gelegenen Quelle, auf der Gästeliste finden sich Namen wie Leopold I., König von Belgien, Karl Marx, Christian Andersen oder Conrad Ferdinand Meyer. Nicht minder illuster ist das Gästebuch des Hotels Bodenhaus in Splügen. Albert Einstein, Friedrich Nietzsche, Wilhelm Conrad Röntgen oder Kaiser Napoleon III. haben sich darin eingetragen. Seine Türen öffnete das mächtige Gebäude aus Stein um 1722, zur Hochblüte des Splügenpasses. Seinen Charme hat es bis heute behalten. Noch weiter zurück datiert die ebenfalls in Splügen gelegene Alte Herberge Weiss Kreuz; ihre Wurzeln gehen zurück ins 14. Jahrhundert. Noch heute knarrt und ächzt das Holz der Treppen und Dielen, die zu den Zimmern führen – in die heimelige Alti Chuchi, Alti Stuba oder in die Dachchammera.

Infos zum Weg:

Via Francigena

In Erzbischof Sigerichs Spuren durch die Romandie

1800 Kilometer ist Erzbischof Sigerich von Canterbury in Südengland nach Rom gelaufen, um vom Papst seine Weihen zu empfangen. Das war im Jahr 996. Auf seiner Rückreise dokumentierte er die Stationen seines Wegs und legte so den Grundstein der Via Francigena, zu Deutsch Frankenstrasse, der einst wichtigsten Pilgerroute zwischen Nordeuropa und Italien. Bedeutende Stätten wie die Kathedralen von Canterbury, Reims, Lausanne und Siena sind entlang des Wegs entstanden, genauso wie das Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard und der Petersdom in Rom. Der Schweizer Abschnitt zwischen dem waadtländischen Ste-Croix bei Yverdon und dem Passübergang Grosser Sankt Bernhard im Wallis hält manch eine Landschafts- und Kulturperle bereit: die alten und für die Schweiz einzigartigen Karrengeleise bei Ste-Croix, auf denen einst Salz transportiert wurde, die Rebberge des Lavaux über dem Lac Léman, die zum UNESCO-Welterbe zählen, die mittelalterlichen Orte Orbe, Romainmôtier und St. Maurice und der dreitägige Schlussaufstieg von Martigny auf den 2469 Meter hohen Grossen Sankt Bernhard, der die Grenze zu Italien bildet.

Übernachtungsperlen am Weg: Im mittelalterlichen Städtchen Romainmôtier bietet das Maison Junod die passende Kulisse. In liebevoll dekorierten Zimmern nächtigt man in antiken Betten, am Morgen wird das Frühstück an die Türe gebracht. Fast einen eigenen Bahnhof hat das Hotel Le Funi in Cossonay; das Herrschaftshaus aus dem 19. Jahrhundert liegt an der Bergstation der Standseilbahn, welche die Stadt mit dem Bahnhof verbindet, und bietet ein traumhaftes Panorama auf die Alpen. Dasselbe gilt für die Auberge de la Gare in Grandvaux, nur dass hier noch die Sicht auf den Genfersee das Alpenpanorama komplettiert. In der sympathischen Herberge wacht man am Morgen im Herzen der Lavaux auf, dem grössten zusammenhängenden Weinbaugebiet der Schweiz und UNESCO-Welterbe. Klösterlich einfach und schlicht empfängt die Hostellerie Franciscaine in St-Maurice. Im Gästehaus des Franziskanerordens, besonders im lauschigen Garten, lässt es sich wunderbar abschalten. Den geeigneten Ausklang einer Tour auf der Via Francigena findet man auf dem Pass des Grossen Sankt Bernhard. Das Hospiz auf 2469 Metern Höhe bietet seit über 1000 Jahren Pilgernden und Reisenden Schutz. Ganzjährig, weshalb die Mönche über Jahrhunderte Bernhardiner Hunde züchteten, um verirrte oder vom Schnee verschüttete Menschen aufzufinden. Die Lawinenhunde mit dem umgehängten Holzfass sind jeweils im Sommer zu Gast auf dem Pass.

Infos zum Weg:

  • 10 Etappen von Ste-Croix auf den Col du Grand St-Bernard.
  • Total 202 km, signalisiert als Via Francigena Nr 70.
  • Einfache bis mittelschwere Wander- und Bergwege. Teils lange Etappen, zum Schluss viele Höhenmeter.
  • Weitere Infos und Auswahl an Unterkünften auf https://schweizmobil.ch/de/wanderland/route-70
  • Download GPX-Route

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Via Alpina

Auf dem Königsweg durch die Schweizer Alpen

Fünf Wanderwege durch alle acht Alpenländer, auf einem Wegnetz von über 5000 Kilometern Länge, verteilt auf 342 Tagesetappen zwischen Meereshöhe und 3000 Meter. Das ist die Via Alpina, ein internationales Projekt, das seit 2002 die natürliche und kulturelle Vielfalt des Alpenraums zugänglich macht. Einer der fünf Wege durchquert unser Land und das Fürstentum Liechtenstein in ganzer Breite. Der Name ist dabei Programm. Die Via Alpina führt ins Herz der Schweizer Alpen, passiert vierzehn Pässe und überwindet 48 000 Höhenmeter. Für diese Anstrengung wird einiges geboten: der historische Surenenpass etwa, eine der schönsten Passrouten der Zentralschweiz, die Tektonikarena Sardona, wo die Berge geologisch gesehen Kopf stehen, die grösste Alp der Schweiz, der Urnerboden, auf der über 1200 Kühe grasen, die Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau und die Eigernordwand von der Kleinen Scheidegg aus, die Blüemlisalphütte am Fusse der vergletscherten Blüemlisalp und − kniefressende 1200 Höhenmeter weiter unten − der in einen Felsenkessel eingebettete Oeschinensee oder das mondäne Gstaad, wo sich die Reichen die Türklinke reichen. Kühlt man nach zwanzig Wandertagen in Montreux die Füsse im Genfersee, darf man stolz sein, mit der Via Alpina den Königsweg der Schweiz geschafft zu haben. Sie ist nicht umsonst mit der Nummer 1 markiert.

Übernachtungsperlen am Weg: Von der Alp bis zum Belle-Epoque-Hotel: Die Unterkünfte an der Via Alpina sind so vielfältig wie der Weg. In Catherines Loft in Mels nächtigt man auf der offenen Galerie, umgeben von Literatur aus aller Welt und von Glocken aus Indien, Nepal und Kambodscha. Die Kühe und Geissen dazu gibt’s auf der Alp Siez bei Weisstannen. Aus deren Milch werden im Sommer 20 000 Kilogramm Käse hergestellt. Beim Frühstück kann man den Sennen beim Käsen zuschauen und sich danach mit den feinen Alpprodukten eindecken. Ob diese bis zu den Alpen Grat oder Hobiel am Surenenpass reichen? Egal: Hier wird man gerne einkehren auf der langen Passwanderung. Ab Abend verzaubert der Betruf der Sennen, wenn sie um den Alpsegen bitten. Und die Älplermagronen von Hobiel sind so legendär, dass es das Rezept sogar online gibt. Legendär ist auch die majestätische Blüemlisalp zuhinterst im wildromantischen Kiental. Hier kehrt man ein im ältesten Naturfreundehaus der Schweiz, dem Hostel Gorneren, wo auf dem 60 Jahre alten Holzherd gekocht wird. Noch mehr Blüemlisalp wartet auf der Blüemlisalphütte. Der Schlaf ist auf 2840 Metern Höhe zwar nicht mehr so geruhsam, dafür sind die hochalpine Umgebung und die Aussicht auf den Thunersee fantastisch. Die Belle Epoque schliesslich umhüllt einen in Kandersteg im Hotel Victoria oder in Montreux im Hotel Helvetie. Hier lässt sich die Wanderung auf der Via Alpina wunderbar Revue passieren.

Infos zum Weg:

Via Gottardo

Die grosse europäische Transitachse zu Fuss

Dreieinhalb Stunden dauert die Zugfahrt von Basel nach Chiasso. Schnürt man stattdessen in Basel die Wanderschuhe und folgt der Via Gottardo, trifft man zwanzig Tage später im Südtessin ein – mit dem guten Gefühl, eine der wichtigsten Transitachsen über die Alpen aus eigener Kraft geschafft zu haben. Der Gotthardpass und seine Zufahrten erlebten ab dem 13. Jahrhundert einen beispiellosen Aufschwung, als mit der Teufelsbrücke die Schöllenenschlucht bezwungen war und fortan Menschen und Waren über den 2100 Meter hohen Pass ihren Weg zwischen Deutschland und Italien fanden. Der Verkehr mit seiner Infrastruktur ist denn auch treuer Begleiter auf der Via Gottardo. Die Basler Rheinhäfen gehören dazu, der grösste Rangierbahnhof der Schweiz in Muttenz oder die Bahnlinie über den Hauenstein, die älteste Gebirgsbahn des Landes. Zwischen Luzern und Flüelen lässt man sich, wie anno dazumal, per Schiff über den See bringen, im Reusstal und später in der Leventina sind die mächtigen Kunstbauten von Strasse und Bahn im Blick. Im Zentrum aber steht der Gotthard mit der legendären Teufelsbrücke, der Tremola und dem Hospiz auf der Passhöhe, wo seit 1237 Reisende einkehren. Einige hundert Meter weiter unten donnern die Züge mit 200 Stundenkilometern durch den Gotthard-Basistunnel, den längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Übernachtungsperlen am Weg: Aufwachen mit Panoramablick auf Basel, dieses Erlebnis gibt’s im B&B Sunnesite in Pratteln, einem Minergie-Holzhaus mit wildem Garten. Füsse und Beine wiederum finden nach den ersten 40 Wanderkilometern Entspannung im eigenen heilenden Mineralwasser des Quellhotels Bad Ramsach bei Läufelingen. Wer in Neuenkirch im Baumhaus übernachten will, muss Glück haben: das Wurzelbaumhaus ist beliebt, im Eichenbett drei Meter über Boden schläft man wie auf Wolke sieben. Luzern für einmal anders erlebt man im Seeburghof. Auf dem ehemaligen Heustock des Biohofs stehen gemütliche Zimmer bereit, auf der Wiese grasen schottische Hochlandrinder und an der alten Schiffanlegestelle deckt man sich mit Hofprodukten ein. Von ganz anderem Stil ist der Waldstätterhof in Brunnen. Im historischen Luxushotel residierten schon Könige, Adlige und Schriftsteller. Kein Wunder: Die Lage am Quai mit Sicht über den Vierwaldstättersee und die Urner Alpen ist ein Traum. Dort oben liegt der dann, dieser Gotthardpass mit seinem Hospiz. Das Haus ist ein europäisches Kulturerbe, von den ganz in Holz gehaltenen Zimmern geniesst man einen einzigartigen Ausblick aufs Gotthardmassiv. Eine Trouvaille ist das Hotel Defanti in Lavorgo. Nur nur, weil der Betrieb seit 1903 von der Familie Defanti geführt wird, sondern weil er Hotel, Restaurant, Bar, Dorfladen und Tankstelle in einem ist. Die Jugendherberge Bellinzona schliesslich ist in einer monumentalen Villa zu Hause und grenzt an die mittelalterliche Burg Castello di Montebello, einem der Wahrzeichen der Stadt. 

Infos zum Weg:

von Daniel Fleuti,

veröffentlicht am 15.08.2017


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