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Gesünder leben?

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Yoga-Atemübungen gegen Stress: 4 wirksame Pranayama-Techniken

Bewusster, tiefer Atem kann mehr verändern, als wir denken: Diese Yoga-Atemübungen helfen dir, das Nervensystem zu beruhigen, innere Ruhe zu finden und den Fokus zu stärken.

Der Alltag ist voll, der Kopf laut, die Psyche aufgeregt, der Atem flach. Stress, Anspannung und Nervosität gehören für viele Menschen zum täglichen Leben – und zeigen sich oft zuerst in der Atmung. 
Yoga-Atemübungen – sogenannte Pranayama-Techniken – vertiefen den Atem und beruhigen das Nervensystem. Ihre Wirkung entfalten sie vor allem dann, wenn sie korrekt erlernt und regelmässig geübt werden. Dann lassen sie sich auch gezielt im Alltag in stressigen Situationen einsetzen.

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Wer die Vollatmung beherrscht, hat ein einfaches Werkzeug gegen Stress, das jederzeit und überall einsetzbar ist.
Susi Davies, Yogalehrerin, zertifiziert von der US Yoga Alliance und ausgebildete Vinyasa- und Ashtanga-Yoga Lehrerin

Was sind Yoga-Atemübungen? Pranayama kurz erklärt

Yoga-Atemübungen, auch Pranayama genannt, stammen aus der Yogatradition und zählen zu den acht Gliedern des Yoga nach Patanjali. Sie nutzen den Atem als Verbindung zwischen Körper und Geist. 
In der altindischen Gelehrten-Sprache Sanskrit, aus der viele Begriffe des Yoga stammen, bedeutet «Prana» Lebensenergie, «Ayama» Ausdehnung oder Kontrolle. «Pranayama ist die Wissenschaft, den Atem bewusst zu lenken und zu verlängern, um die Lebensenergie im Körper zu stärken», sagt Yogalehrerin Susi Davies.

Wie wirken Yoga-Atemübungen gegen Stress?

Anders als die automatische Alltagsatmung wird der Atem gezielt verlangsamt oder vertieft. Yoga-Atemübungen zur Beruhigung aktivieren den Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Die Herzfrequenz sinkt, Stresshormone wie Cortisol nehmen ab, der Körper schaltet in den Ruhemodus.

Studien zeigen: Regelmässige Yoga-Atempraxis mit langsamer Nasenatmung kann das Stresslevel senken, die Resilienz erhöhen und den Blutdruck positiv beeinflussen. 
Pranayama-basierte Interventionen reduzieren zudem Angst, Müdigkeit und verbessern die subjektive Lebensqualität.

Beruhigende oder aktivierende Atemübungen?

Langsame Atemübungen mit längerer Ausatmung wirken beruhigend. Dynamischere Techniken mit Betonung der Einatmung aktivieren.

«Um den Parasympathikus zu entspannen, eignet sich folgender Atemrhythmus: 4 Sekunden Einatmung, 2 Sekunden Pause und 6 Sekunden Ausatmung», sagt die Yogaexpertin. Dieses Verhältnis lässt sich auf viele Atemübungen im Yoga übertragen.

4 Yoga-Atemübungen zur Beruhigung – Grundlagen und Tipps

  • Pranayama ist eine fundierte Praxis. Einsteiger beginnen mit der yogischen Vollatmung und integrieren weitere Techniken schrittweise – idealerweise unter Anleitung.
  • Bereits 5 bis 8 Minuten tägliche Atempraxis können spürbare Effekte haben. Entscheidend sind Kontinuität, kein Druck oder Perfektionismus. Bei Schwindel, Unwohlsein gilt: pausieren.
  • Eine Haltung mit offenem Brustkorb einnehmen. Die Übungen (ausser Yoga-Wechselatmung) lassen sich im Liegen ausführen oder in einer aufrechten, entspannten Sitzhaltung. Hilfreich für Anfänger sind Kissen oder Block, gern mit dem Rücken an der Wand. «Wenn der Brustkorb zusammenfällt, hat der Atem keinen Raum – tiefe Atmung ist dann nicht möglich», so die Yogalehrerin.

Yoga Vollatmung – die Basis von Pranayama

Die Vollatmung wird fälschlich oft als Bauchatmung bezeichnet. Tatsächlich verbindet sie Bauch-, Flanken- und Brustatmung. Das Atemvolumen wird ausgeschöpft, der Atem wird tief und raumgreifend bis in die Lungen.

Viele gestresste Menschen atmen unbewusst gegen ihr natürliches Muster, indem sich der Bauch beim Einatmen einzieht. Ziel ist es, sich wieder mit dem natürlichen Atem zu verbinden: Im Liegen, mit leicht erhöhtem Kopf und einer Hand auf dem Bauch, lässt sich die natürliche Atembewegung gut erspüren: Beim Einatmen wölbt sich die Bauchdecke leicht nach oben, zwischen Ein- und Ausatmen entsteht eine kleine Pause. Danach kannst du die Vollatmung üben.

  • Leg dich hin oder sitze aufrecht. 
  • Atme langsam tief ein, lass den Atem bewusst erst in Richtung Bauch strömen, dann in die Rippen und schliesslich nach oben, unter die Schlüsselbeine. 
  • Beobachte beim Einatmen, wie sich der Bauch etwas nach vorne wölbt, dann der Bereich der Rippen und der Brustraum sich weitet.
  • Atme von oben nach unten wieder aus.
  • Atemrhythmus: 4-2-6

Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, übt sanften Druck auf die Organe aus und lässt die Bauchdecke nach vorne kommen. Beim Ausatmen entspannt es sich, steigt wieder nach oben und der Bauch zieht sich zurück.

  • Stärkt Lunge und Atemmuskulatur
  • Verbessert die Sauerstoffversorgung
  • Beruhigt das Nervensystem
  • Wirkt ausgleichend und erdend

Tipp: «Wer die Vollatmung beherrscht, hat ein einfaches Werkzeug gegen Stress, das jederzeit und überall einsetzbar ist », so Susi Davies. Du kannst die Technik auch in stressigen Momenten abrufen – ob vor einem Meeting, im Auto, bei Schlafproblemen oder Flugangst.

Ujjayi-Atmung – der ozeanische Atem

Auch bekannt als siegreiche Atmung oder Meeresrauschen-Atmung.

  • Leg dich hin oder sitze aufrecht.
  • Atme durch die Nase ein. 
  • Atme durch die Nase aus und verenge dabei die Stimmritzen leicht, indem du das Kinn etwas senkst. So entsteht ein sanftes Rauschen. Der Atem bleibt ruhig und kontrolliert
  • Atemrhythmus: 4-2-6

Die sanfte Verengung im Rachen verlangsamt den Luftstrom. Das aktiviert den Parasympathikus, verbessert die Sauerstoffeffizienz und erzeugt leichte innere Wärme.

  • Verbessert Fokus und geistige Klarheit
  • Reduziert Stress und Angst
  • Unterstützt Rhythmus und Stabilität in der Bewegung
  • Stärkt Lunge und Atemkontrolle

Nicht geeignet bei Halsreizung oder Atemwegsinfekt.

Wechselatmung (Nadi Shodhana) – für innere Balance

Eine Yoga-Atemtechnik, die Körper und Geist harmonisiert und innere Ruhe schenkt.

  • Sitze aufrecht 
  • Atme zunächst vollständig durch beide Nasenlöcher aus. 
  • Verschliesse das rechte Nasenloch mit dem Daumen, atme langsam und gleichmässig durch das linke Nasenloch ein. 
  • Schliesse nun links mit dem Mittel- oder Ringfinger, öffne rechts und atme rechts vollständig aus. 
  • Atme rechts wieder ein, verschliesse dann rechts, öffne links und atme links aus.
  • Atemrhythmus: 4-2-6

Die Wechselatmung gleicht die Aktivität zwischen linker und rechter Gehirnhälfte aus. Sie reguliert das autonome Nervensystem und senkt Herzfrequenz und Blutdruck. 

  • Fördert emotionale Ausgeglichenheit und stabile Stimmung
  • Verbessert Fokus und Entscheidungsfähigkeit
  • Reduziert Stress, Angst und mentale Erschöpfung
  • Fördert besseren Schlaf

Kühlende Atemübung (Sitali) – bei Ärger und Hitze

Die kühlende Atmung im Yoga ist eine einfache Pranayama Technik, besonders geeignet im Sommer. Nicht geeignet bei Kälte, niedrigem Blutdruck oder Atemwegsverstopfung.

  • Strecke die Zunge leicht heraus und rolle sie längs wie ein kleines Röhrchen
  • Atme langsam durch dieses «Röhrchen» ein; spüre die kühlende Luft über der Zunge
  • Zieh die Zunge wieder in den Mund, schliesse den Mund und atme lang und vollständig durch die Nase aus.
  • Das Zungenrollen ist anatomisch nicht möglich? Dann lege die Zunge flach an den oberen Gaumen, öffne die Lippen leicht. Atme langsam durch die leicht geöffneten Zähne ein und durch die Nase aus.
  • 4-2-6 Atemrhytmus

Die einströmende Luft wird gekühlt, reduziert Körperhitze und Entzündungen, senkt die Aktivität des sympathischen Nervensystems. 

  • Kühlt den Körper
  • Reduziert Ärger, Reizbarkeit und Stress
  • Kann bei Sodbrennen oder hitzebedingtem Unwohlsein helfen

Wann welche Pranayama-Übung? Ein Überblick

  • Bei Nervosität, Anspannung, Stress: Vollatmung
  • Bei innerer Unruhe, Stress: Nadi Shodana
  • Vor Entscheidungen: Nadi Shodana
  • Bei Konzentrationsproblemen, Angstzuständen: Ujjayi
  • Bei Hitze, Reizbarkeit oder Ärger: Sitali
  • Für Anfänger: Vollatmung

FAQ: Häufige Fragen zu Yoga & Yoga-Atemübungen

Sie wirkt beruhigend und kann das Einschlafen erleichtern, ist aber keine Yoga-Atemtechnik. Hier findest du eine Anleitung aus der Atemtherapie.

Meist durch die Nase, ruhig und bewusst, im Einklang mit Bewegung oder Haltung. Basis ist die Vollatmung – über Bauch, Rippen in den Brustkorb.

Ideal sind 5 bis 8 Minuten täglich. Wichtig ist Kontinuität statt Dauer – lieber täglich kurz als selten lange.

Schon kurze, regelmässige Praxis kann Stress reduzieren und das Körpergefühl verbessern.

Die, die zur aktuellen Situation passt und regelmässig geübt wird. Bei akutem Stress eignet sich besonders die Vollatmung mit verlängerter Ausatmung.

Oft sofort spürbar, langfristige Effekte zeigen sich bei regelmässiger Praxis.

Praktische Entspannungsübungen für den Alltag

Alles zum Thema

von Petra Koci,

veröffentlicht am 30.01.2026


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