Gewichtsmanagement ist in der Schweiz ein relevantes Thema. In unserer Studie haben wir untersucht, wie die Bevölkerung das Thema Abnehmen angeht – von der Motivation über die Methoden bis hin zu den Informationsquellen.
Abnehmen ist weit mehr als nur «weniger essen und sich mehr bewegen» – das zeigt ein Blick auf die Erfolgsquoten der verschiedenen Methoden. Doch welche Ansätze sind besonders beliebt und welche tatsächlich erfolgreich? Wir haben die Schweizer Bevölkerung dazu befragt.
Steht beim Thema Gewichtsmanagement die Gesundheit oder das Aussehen im Vordergrund? Der Fokus ist eindeutig. Für 56 % der Befragten mit Übergewicht oder Adipositas steht die Verbesserung der Gesundheit an erster Stelle. Auch die Prävention oder Reduktion von Krankheiten spielt mit 44 % eine wichtige Rolle. Für 36 % der Befragten ist die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit ein weiteres Ziel. Lediglich 20 % nennen die Verbesserung des äusseren Erscheinungsbildes als Motivation.
Wenn es um das Thema Abnehmen geht, sind Diäten immer noch weitverbreitet – trotz bekannter Nachteile. Doch wie geht die Schweizer Bevölkerung eine Gewichtsreduktion konkret an? Wir haben Personen befragt, die entweder selbst mit Übergewicht leben oder jemanden in ihrer Familie haben, der betroffen ist. Ein Viertel dieser Personen gibt an, bisher keine gezielten Massnahmen zur Gewichtsreduktion ergriffen zu haben. Die am häufigsten gewählte Methode ist eine langfristige Ernährungsumstellung, die von rund einem Drittel der Befragten genutzt wird. Trotz des Trends hin zu nachhaltigen Ansätzen bleiben Diäten mit 29 % weiterhin eine wichtige Strategie. Bewegungsprogramme folgen mit 25 % und unterstreichen die Bedeutung von körperlicher Aktivität als zentralem Bestandteil der Gewichtsreduktion.
Personen, die mit Adipositas leben, haben im Vergleich zu Personen mit Übergewicht schon häufiger Massnahmen zur Gewichtsreduktion ausprobiert. Auch bei ihnen steht eine längerfristige Ernährungsumstellung an erster Stelle, gefolgt von kurzfristigen Diäten. Eine deutlich grössere Relevanz scheint bei dieser Subgruppe das Thema Ernährungsberatung zu haben. Fast jeder Dritte hat dies bereits ausprobiert.
Wir haben bei den Personen nachgefragt, die bislang keine Massnahmen zur Gewichtsreduktion ausprobiert haben, weshalb sie keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben.
Dies deutet darauf hin, dass der Zugang zu Unterstützung in der Schweiz grundsätzlich gut verfügbar ist, die Hürden jedoch eher bei den Kosten und dem Wunsch nach Eigenständigkeit liegen.
Es gibt viele Wege zum Wunschgewicht, doch welche Ansätze führen tatsächlich zum Erfolg? Am wenigsten erfolgreich scheinen bei den Befragten kurzfristige Diäten zu sein. Viele der Befragten geben an, dass ihnen diese Massnahme nicht geholfen hat oder sie sie frühzeitig abgebrochen haben. Schon deutlich besser sind die Werte bei Ernährungsberatungen, doch die höchste Erfolgsquote hat – wenn es um Ernährung geht – die langfristige Ernährungsumstellung. Auch Bewegungsprogramme scheinen bei der Mehrheit der Befragten, die dies bereits ausprobiert haben, Wirkung gezeigt zu haben.
Die entscheidende Frage lautet: Warum bleiben die ausprobierten Massnahmen erfolglos oder weshalb werden sie frühzeitig abgebrochen? Fast die Hälfte der Befragten sieht die Gründe bei sich selbst und nennt fehlende Motivation oder mangelnde Disziplin als Hauptgrund.
Weitere Faktoren:
IST-Situation
Personen, die sich bereits aktiv mit Themen wie Gewichtsmanagement, Übergewicht oder Adipositas beschäftigen, suchen meist im Internet oder beim Hausarzt nach Informationen. Menschen mit Adipositas wenden sich hingegen häufiger als die breite Bevölkerung an Fachpersonen wie Ernährungsberater, Fachärzte oder ihren Hausarzt.
SOLL-Situation
Welche Informationsquellen könnten der Bevölkerung dabei helfen, sich noch besser und frühzeitiger über Themen wie Gewichtsmanagement, Übergewicht und Adipositas zu informieren? Der persönliche Austausch spielt hierbei eine zentrale Rolle. Besonders häufig werden Hausärzte und Ernährungsberater als wichtige potenzielle Anlaufstellen genannt, gefolgt von Familie und Freunden. Die Befragten, die mit Adipositas leben, würden noch häufiger auf den Hausarzt als Informationsquelle zurückgreifen und messen Fachärzten eine deutlich grössere Bedeutung bei als die breite Bevölkerung.
Die Frage, ob digitale Informationsquellen hilfreich wären, wird unterschiedlich bewertet. 28 % der Befragten geben an, keine der vorgeschlagenen digitalen Angebote nutzen zu wollen – besonders hoch ist dieser Anteil bei den 60- bis 79-Jährigen. Bei Menschen, die mit Adipositas leben, liegt der Wert sogar bei 38 %. Insgesamt halten 29 % der Befragten Informationsplattformen für hilfreich, während 25 % Apps oder digitale Gesundheitsprogramme positiv bewerten. Der Austausch mit Gleichgesinnten in Onlineforen spielt hingegen nur für wenige eine Rolle. Altersunterschiede zeigen sich deutlich: Podcasts, Videos und Social-Media-Inhalte finden vor allem bei jüngeren Personen Anklang, während Informationsplattformen eher von älteren Menschen geschätzt werden.
Hinter den Zahlen dieser Studie stehen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen – von erfolgreichen langfristigen Ernährungsumstellungen bis hin zu gescheiterten kurzfristigen Diätversuchen. Die Daten zeigen: Während die Motivation mehrheitlich gesundheitsorientiert ist und Informationen grundsätzlich verfügbar sind, scheitert die Umsetzung häufig an fehlender Motivation, unrealistischen Erwartungen oder Zeitmangel. Nicht überraschend ist, dass kurzfristige Diäten eine höhere Misserfolgsquote haben als langfristige Ernährungsumstellungen oder begleitete Ernährungsberatungen. Trotzdem gehören Diäten weiterhin zu den am häufigsten genutzten Massnahmen zur Gewichtsreduktion.
Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung bleibt also zentral. Gleichzeitig zeigt die Wissenschaft, dass Gewichtsmanagement nicht allein von Willenskraft abhängt. Faktoren wie Stress, Schlafmangel, Medikamente, Hormone und genetische Veranlagung spielen ebenfalls eine Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Adipositas daher als komplexe chronische Erkrankung. Mehr Wissen über die Ursachen von Adipositas könnte helfen, Stigmatisierung und Selbstvorwürfe zu reduzieren. Betroffene sollten sich nicht allein die Schuld geben. Stattdessen braucht es nachhaltige, individuell abgestimmte Ansätze – denn ein langfristig gesunder Lebensstil beginnt mit Unterstützung und bewusstem Umdenken.
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