Stundenlang am Computer tippen, mit der Gartenschere arbeiten oder Geige üben – immer die gleichen Bewegungen auszuführen, kann zu einer Überlastung des Handgelenks führen. Wenn Schmerzen auftreten, handelt es sich wahrscheinlich um eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk.
Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die Muskelkraft auf den Bewegungsapparat. Manche Sehnen – vor allem jene, die eng über Knochenvorsprünge oder Gelenke führen – verlaufen in einer schützenden Sehnenscheide, die wie eine Gleithülle funktioniert und die Reibung vermindert. Bei grosser Beanspruchung können Reizungen und Entzündungen am Bindegewebe entstehen. Häufig kommt es auch zu degenerativen Veränderungen an den Sehnen selbst.
Wenn an einem häufig beanspruchten Gelenk folgende Symptome auftreten, hat man sich wahrscheinlich eine Sehnenscheidenentzündung (Fachbegriff: Tendovaginitis) zugezogen:
Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend und verstärken sich bei fortgesetzter Belastung.
«Schmerzen an Schulter, Ellbogen, Knie oder Achillessehne beruhen hingegen meist auf anderen Sehnenerkrankungen», erklärt Eirini Tsampikaki. Es handle sich in der Regel nicht um eine klassische Sehnenscheidenentzündung.
Schnappfinger oder «Schnellender Finger» (Fachbegriff: Tendovaginitis stenosans)
Ein Schnappfinger oder «Schnellender Finger» (Fachbegriff: Tendovaginitis stenosans) spickt nach dem Strecken des Fingers unwillkürlich wieder zurück in die gebogene Haltung oder bleibt in der gebeugten Stellung hängen. Das Strecken des Fingers erfolgt oft ruckartig, kann schmerzhaft sein und einen höheren Kraftaufwand erfordern. Manchmal ist Strecken nur noch mithilfe der anderen Hand möglich. Bei Menschen ab 50 ist ein Schnappfinger am häufigsten. Meist sind Daumen, Mittel- oder Ringfinger betroffen. Die Erkrankung kann aber auch bei Babys auftreten, in diesem Fall meist am Daumen.
Der Grund dafür liegt bei den Ringbändern, welche die Sehnen an der Fingerunterseite fixieren. Haben sich an den Sehnen oder Sehnenscheiden aufgrund anhaltender Entzündung Verdickungen gebildet, können sie nicht mehr geschmeidig durch die Ringbänder hindurchgleiten. Beim Krümmen wird das Knötchen hindurchgepresst, beim Strecken muss es wieder zurückgepresst werden.
«Ein Schnappfinger ist zwar nicht gefährlich, sollte jedoch bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abgeklärt werden», sagt Eirini Tsampikaki. Denn eine frühzeitige Behandlung könne die Beschwerden oft deutlich lindern und eine dauerhafte Bewegungseinschränkung verhindern.
Der Grund für die Entzündung ist eine chronische Überbelastung eines Gelenks. «Anders als der Begriff vermuten lässt, handle es sich jedoch fast nie um eine Infektion mit Viren oder Bakterien», erklärt Ärztin Eirini Tsampikaki. Nur selten seien eingedrungene Keime der Auslöser – etwa bei einer Hautverletzung durch einen Stich oder Biss oder bei Borreliose nach einem Zeckenbiss.
Die Abnutzungserscheinungen der Sehnen und Sehnenscheiden sind häufig bei Menschen, die beruflich oder in der Freizeit repetitive Bewegungen ausführen – etwa Handwerkerinnen, Bauarbeiter, Musiker oder Sportlerinnen. Typisch sind zum Beispiel der Tennisarm, der Golfellbogen oder die Achillesferse beim Laufsport.
Auch das Arbeiten mit der Computermaus, Spielen an einem Joystick, Tippen und Scrollen am Smartphone oder längere Putzarbeiten stellen eine schädliche Dauerbelastung dar. Dadurch kann eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk entstehen.
Frauen sind generell etwas häufiger betroffen als Männer. Vermutlich spielen dabei anatomische und hormonelle Unterschiede eine Rolle.
Bestimmte Erkrankungen können das Risiko für eine Sehnenscheidenentzündung erhöhen. Dazu gehören unter anderem:
Auch folgende Bedingungen können Sehnen und Sehnenscheiden anfälliger machen:
Bei einer Sehnenscheidenentzündung stellt sich häufig die Frage: Was tun, wenn die Beschwerden nicht verschwinden? Treten nach einer Belastung Schmerzen auf, sollte das betroffene Gelenk zunächst geschont und möglichst ruhiggestellt werden. «Verbessern sich die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage oder ist eine Entlastung im Alltag oder Beruf kaum möglich, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll», sagt Eirini Tsampikaki.
Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand der Krankengeschichte, eines Gesprächs sowie einer körperlichen Untersuchung. Dabei achtet die Ärztin oder der Arzt insbesondere auf Druckschmerz, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkungen. Bei unklarem Befund kann eine Ultraschalluntersuchung hilfreich sein, um Sehnen und Sehnenscheiden genauer zu beurteilen. Röntgenaufnahmen dienen vor allem dazu, knöcherne Verletzungen oder andere Ursachen auszuschliessen. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle oder entzündlich-rheumatische Erkrankung, können ergänzend Blutuntersuchungen sinnvoll sein.
Eine ausgeprägte Sehnenscheidenentzündung kann einige Wochen dauern und den Alltag erheblich einschränken. Es empfiehlt sich deshalb, auf die ersten Anzeichen von Überlastungen zu achten und mit folgenden Massnahmen vorzubeugen:
Viele Sehnenscheidenentzündungen lassen sich vermeiden, wenn Überlastungen frühzeitig erkannt werden. Wichtig sind regelmässige Pausen bei repetitiven Bewegungen, eine ergonomische Gestaltung von Arbeitsplatz und Werkzeugen. Auch Aufwärm-, Dehn- und Kräftigungsübungen können helfen, Sehnen und Gelenke belastbarer zu machen. «Eine Sehnenscheidenentzündung ist zwar schmerzhaft, lässt sich aber in den meisten Fällen gut behandeln», sagt Eirini Tsampikaki. Wichtig sei es, erste Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen und die belastenden Bewegungen rechtzeitig anzupassen. «Wer Beschwerden nicht ignoriert und dem betroffenen Bereich Zeit zur Erholung gibt, kann meist eine Chronifizierung verhindern.»
Was tun bei Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk?
Am besten hilft es, das Gelenk zu schonen. Wiederkehrende gleiche Bewegungen nach Möglichkeit vermeiden und das Gelenk mit einer Bandage oder Schiene entlasten. Bei stärkeren Schmerzen sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Wie lange dauert eine Sehnenscheidenentzündung?
Je nachdem, wie stark die Entzündung ist und wie gut man das Gelenk schonen kann. Manchmal klingen die Beschwerden bereits nach einigen Tagen wieder ab, manchmal dauert es aber auch einige Wochen.
Was macht der Arzt bei einer Sehnenscheidenentzündung?
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente und Physiotherapie verordnen sowie ihren Patientinnen und Patienten raten, was sie selbst tun können.
Kann eine Sehnenscheidenentzündung von alleine weggehen?
Ja, bei Schonung der betroffenen Körperstelle heilt eine Sehnenscheidenentzündung oft selbst wieder ab. Das braucht aber etwas Geduld.
Was darf man bei einer Sehnenscheidenentzündung nicht machen?
Schädlich wäre, die Schmerzen zu ignorieren und die gleichen Bewegungen weiter auszuführen. Auch Wärmeanwendungen sind in der Entzündungsphase nicht sinnvoll.