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Sehnenscheidenentzündung Handgelenk: Ursachen, Symptome und was hilft

Stundenlang am Computer tippen, mit der Gartenschere arbeiten oder Geige üben – immer die gleichen Bewegungen auszuführen, kann zu einer Überlastung des Handgelenks führen. Wenn Schmerzen auftreten, handelt es sich wahrscheinlich um eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk.

Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die Muskelkraft auf den Bewegungsapparat. Manche Sehnen – vor allem jene, die eng über Knochenvorsprünge oder Gelenke führen – verlaufen in einer schützenden Sehnenscheide, die wie eine Gleithülle funktioniert und die Reibung vermindert. Bei grosser Beanspruchung können Reizungen und Entzündungen am Bindegewebe entstehen. Häufig kommt es auch zu degenerativen Veränderungen an den Sehnen selbst.

Symptome: Woran erkennt man eine Sehnenscheidenentzündung?

Wenn an einem häufig beanspruchten Gelenk folgende Symptome auftreten, hat man sich wahrscheinlich eine Sehnenscheidenentzündung (Fachbegriff: Tendovaginitis) zugezogen:

  • Stechende oder ziehende Schmerzen während der Bewegung 
  • Im weiteren Verlauf auch Schmerzen im Ruhezustand
  • Druckschmerz
  • Schwellung, Verdickung
  • Rötung
  • Überwärmung der Haut
  • Druckempfindlichkeit
  • Gefühl der Reibung, knirschendes Geräusch beim Bewegen (Fachbegriff: Tendovaginitis crepitans)
  • Bewegungseinschränkung

Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend und verstärken sich bei fortgesetzter Belastung.

An welchen Gelenken kann eine Sehnenscheidenentzündung auftreten?

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  • Handgelenk: Am häufigsten treten Sehnenscheidenentzündungen am Handgelenk auf. «Besonders gefährdet ist die dominante Hand, weil man diese viel häufiger benutzt», sagt Ärztin Eirini Tsampikaki. 
  • Daumen (Fachbegriff: Tendovaginitis de Quervain): Häufiges Scrollen und Tippen am Smartphone oder an der Tastatur sowie Klavierspielen beanspruchen den grössten Finger besonders stark.
  • Unterarme: Betroffen sind vor allem Masseurinnen, Physiotherapeuten, Fliessbandarbeiterinnen, Handwerker, Bäcker und Coiffeusen
  • Füsse, Fussrücken, Sprunggelenk: Im Bereich der Füsse wird eine Sehnenscheidenentzündung meist durch Sportarten wie Joggen, Schnelllauf, Hoch- und Weitsprung, aber auch Ballett und Skifahren ausgelöst.

«Schmerzen an Schulter, Ellbogen, Knie oder Achillessehne beruhen hingegen meist auf anderen Sehnenerkrankungen», erklärt Eirini Tsampikaki. Es handle sich in der Regel nicht um eine klassische Sehnenscheidenentzündung.

Was ist ein Schnappfinger?

grafik-schnappfinger-deutsch
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Schnappfinger oder «Schnellender Finger» (Fachbegriff: Tendovaginitis stenosans)

Ein Schnappfinger oder «Schnellender Finger» (Fachbegriff: Tendovaginitis stenosans) spickt nach dem Strecken des Fingers unwillkürlich wieder zurück in die gebogene Haltung oder bleibt in der gebeugten Stellung hängen. Das Strecken des Fingers erfolgt oft ruckartig, kann schmerzhaft sein und einen höheren Kraftaufwand erfordern. Manchmal ist Strecken nur noch mithilfe der anderen Hand möglich. Bei Menschen ab 50 ist ein Schnappfinger am häufigsten. Meist sind Daumen, Mittel- oder Ringfinger betroffen. Die Erkrankung kann aber auch bei Babys auftreten, in diesem Fall meist am Daumen.

Der Grund dafür liegt bei den Ringbändern, welche die Sehnen an der Fingerunterseite fixieren. Haben sich an den Sehnen oder Sehnenscheiden aufgrund anhaltender Entzündung Verdickungen gebildet, können sie nicht mehr geschmeidig durch die Ringbänder hindurchgleiten. Beim Krümmen wird das Knötchen hindurchgepresst, beim Strecken muss es wieder zurückgepresst werden.

«Ein Schnappfinger ist zwar nicht gefährlich, sollte jedoch bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abgeklärt werden», sagt Eirini Tsampikaki. Denn eine frühzeitige Behandlung könne die Beschwerden oft deutlich lindern und eine dauerhafte Bewegungseinschränkung verhindern.

Ursachen: Wie entsteht eine Sehnenscheidenentzündung?

Der Grund für die Entzündung ist eine chronische Überbelastung eines Gelenks. «Anders als der Begriff vermuten lässt, handle es sich jedoch fast nie um eine Infektion mit Viren oder Bakterien», erklärt Ärztin Eirini Tsampikaki. Nur selten seien eingedrungene Keime der Auslöser – etwa bei einer Hautverletzung durch einen Stich oder Biss oder bei Borreliose nach einem Zeckenbiss.

Chronische Überlastungen führen zu einer Sehnenscheidenentzündung

Die Abnutzungserscheinungen der Sehnen und Sehnenscheiden sind häufig bei Menschen, die beruflich oder in der Freizeit repetitive Bewegungen ausführen – etwa Handwerkerinnen, Bauarbeiter, Musiker oder Sportlerinnen. Typisch sind zum Beispiel der Tennisarm, der Golfellbogen oder die Achillesferse beim Laufsport.

Auch das Arbeiten mit der Computermaus, Spielen an einem Joystick, Tippen und Scrollen am Smartphone oder längere Putzarbeiten stellen eine schädliche Dauerbelastung dar. Dadurch kann eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk entstehen.

Frauen sind generell etwas häufiger betroffen als Männer. Vermutlich spielen dabei anatomische und hormonelle Unterschiede eine Rolle.

Vorerkrankungen, die eine Sehnenscheidenentzündung begünstigen

Bestimmte Erkrankungen können das Risiko für eine Sehnenscheidenentzündung erhöhen. Dazu gehören unter anderem:

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, insbesondere rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew
  • Gicht
  • Diabetes
  • Selten bakterielle Infektionen nach Verletzungen
  • Selten andere Autoimmunerkrankungen wie etwa die systemische Sklerose, bei der das Bindegewebe angegriffen wird

Weitere Risikofaktoren

Auch folgende Bedingungen können Sehnen und Sehnenscheiden anfälliger machen:

  • Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft, Stillzeit, Menopause oder Einnahme der Verhütungspille
  • Bestimmte Medikamente, darunter eine Gruppe von Antibiotika (diese erhöhen jedoch vor allem das Risiko für Sehnenschäden- und risse)

Diagnose: Wann sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?

Bei einer Sehnenscheidenentzündung stellt sich häufig die Frage: Was tun, wenn die Beschwerden nicht verschwinden? Treten nach einer Belastung Schmerzen auf, sollte das betroffene Gelenk zunächst geschont und möglichst ruhiggestellt werden. «Verbessern sich die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage oder ist eine Entlastung im Alltag oder Beruf kaum möglich, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll», sagt Eirini Tsampikaki.

Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand der Krankengeschichte, eines Gesprächs sowie einer körperlichen Untersuchung. Dabei achtet die Ärztin oder der Arzt insbesondere auf Druckschmerz, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkungen. Bei unklarem Befund kann eine Ultraschalluntersuchung hilfreich sein, um Sehnen und Sehnenscheiden genauer zu beurteilen. Röntgenaufnahmen dienen vor allem dazu, knöcherne Verletzungen oder andere Ursachen auszuschliessen. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle oder entzündlich-rheumatische Erkrankung, können ergänzend Blutuntersuchungen sinnvoll sein.

Sehnenscheidenentzündung: Behandlungsmöglichkeiten und Therapie

  • Schonung und Ruhigstellung: Oft erholt sich ein Gelenk von selbst wieder, wenn man ihm Ruhe gönnt. Nur ist das im Alltag nicht immer einfach. Bei einer Sehnenscheidenentzündung an der dominanten Hand kann man versuchen, vermehrt die andere Hand zu verwenden – etwa beim Putzen oder Bedienen der Computermaus. Dies erscheint am Anfang schwierig, doch das Umlernen hält auch das Gehirn fit.
  • Schienen, Bandagen oder Tapes: Sie entlasten die betroffenen Sehnen und Muskeln.
  • Kühlen: Ein Coldpack, ein Quarkwickel oder ein kühlendes Gel lindern Schmerzen und reduzieren die Entzündung.
  • Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel in Tablettenform oder als Salbe helfen, die Entzündung zu lindern. Bei starken Symptomen kommt auch eine Kortison-Injektion infrage.
  • Physiotherapie: Massagen, Ultraschall- oder Elektrotherapie unterstützen die Heilung. Spezielle Übungen können die Beweglichkeit nach dem Abklingen der Sehnenscheidenentzündung wieder verbessern. Wenn die Muskeln nach längerer Ruhigstellung verkürzt oder zurückgebildet sind, helfen Dehn- und Kräftigungsübungen.
  • Ergotherapie: Erlernen von schonenden Techniken für Alltag, Arbeit und Sport.
  • Operation: In hartnäckigen Fällen kann die betroffene Sehnenscheide aufgeschnitten werden, damit die Sehne wieder mehr Platz erhält. Ein chirurgischer Eingriff ist aber selten nötig.

Andere Therapien und Hausmittel bei Sehnenscheidenentzündung

  • Kühlen oder wärmen? Beides kann helfen, jedoch zu unterschiedlichen Zeiten. Während der akuten Entzündung wirkt kühlen hemmend und abschwellend. Hingegen kann Wärme in dieser Phase die Entzündung verstärken. Nach Abklingen der Schmerzen ist Wärme jedoch geeignet, um die Durchblutung anzuregen, verspanne Muskeln zu lockern und den Stoffwechsel im Bindegewebe anzukurbeln.
    Sowohl beim Kühlen, als auch beim Wärmen gilt: nicht übertreiben. Das heisst: Höchstens 20 Minuten am Stück und nicht zu heiss oder kalt. Meist merkt man von selbst, was einem guttut.
  • Pflanzliche Salben mit Beinwell, Arnika oder Teufelskralle können die Heilung unterstützen.

Prävention gegen Sehnenscheidenentzündung

Eine ausgeprägte Sehnenscheidenentzündung kann einige Wochen dauern und den Alltag erheblich einschränken. Es empfiehlt sich deshalb, auf die ersten Anzeichen von Überlastungen zu achten und mit folgenden Massnahmen vorzubeugen:

  • Bewegungsabläufe variieren: Einseitige, monotone Bewegungen vermeiden. Pausen einlegen und regelmässig die Haltung und Griffart ändern. Beide Hände einsetzen statt nur die dominante.
  • Ergonomisch arbeiten: Büroarbeitsplatz nach professionellen Empfehlungen einrichten, sodass Arme entspannt im rechten Winkel aufliegen und Hände und Schultern locker bleiben. Frühzeitig auf Signale des Körpers achten. Leichte und hochwertige Werkzeuge verwenden (zum Beispiel eine gut geölte Gartenschere statt eine, die klemmt).
  • Aufwärmen vor dem Sport: Vor grossen Anstrengungen Muskeln und Gelenke lockern und leicht dehnen. Nicht von null auf hundert gehen.
  • Stabilisieren: Sensible Gelenke mit Bandagen oder Tapes stützen.

Fazit: Beschwerden ernst nehmen und richtig reagieren

Viele Sehnenscheidenentzündungen lassen sich vermeiden, wenn Überlastungen frühzeitig erkannt werden. Wichtig sind regelmässige Pausen bei repetitiven Bewegungen, eine ergonomische Gestaltung von Arbeitsplatz und Werkzeugen. Auch Aufwärm-, Dehn- und Kräftigungsübungen können helfen, Sehnen und Gelenke belastbarer zu machen. «Eine Sehnenscheidenentzündung ist zwar schmerzhaft, lässt sich aber in den meisten Fällen gut behandeln», sagt Eirini Tsampikaki. Wichtig sei es, erste Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen und die belastenden Bewegungen rechtzeitig anzupassen. «Wer Beschwerden nicht ignoriert und dem betroffenen Bereich Zeit zur Erholung gibt, kann meist eine Chronifizierung verhindern.»

Häufige Fragen zur Sehnenscheidenentzündung (FAQ)

Was tun bei Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk?

Am besten hilft es, das Gelenk zu schonen. Wiederkehrende gleiche Bewegungen nach Möglichkeit vermeiden und das Gelenk mit einer Bandage oder Schiene entlasten. Bei stärkeren Schmerzen sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Wie lange dauert eine Sehnenscheidenentzündung?

Je nachdem, wie stark die Entzündung ist und wie gut man das Gelenk schonen kann. Manchmal klingen die Beschwerden bereits nach einigen Tagen wieder ab, manchmal dauert es aber auch einige Wochen.

Was macht der Arzt bei einer Sehnenscheidenentzündung?

Ärztinnen und Ärzte können Medikamente und Physiotherapie verordnen sowie ihren Patientinnen und Patienten raten, was sie selbst tun können.

Kann eine Sehnenscheidenentzündung von alleine weggehen?

Ja, bei Schonung der betroffenen Körperstelle heilt eine Sehnenscheidenentzündung oft selbst wieder ab. Das braucht aber etwas Geduld.

Was darf man bei einer Sehnenscheidenentzündung nicht machen?

Schädlich wäre, die Schmerzen zu ignorieren und die gleichen Bewegungen weiter auszuführen. Auch Wärmeanwendungen sind in der Entzündungsphase nicht sinnvoll.

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