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Wege aus der Einsamkeit im Alter

Allein und gebrechlich in einer anonymen Wohnumgebung? Keine schönen Aussichten. Alternde Menschen tun deshalb gut daran, sich rechtzeitig Gedanken über eine mögliche Einsamkeit zu machen.

Als Susanna Leder im Wohnhaus Kanzlei-Seen einzog, war sie noch berufstätig. „Ich stand kurz vor der Pensionierung und suchte nach einer gemeinschaftlichen Lebensform“, sagt die 71-Jährige, die schon viele Jahre verwitwet ist. Das Gebäude in Winterthur wurde vor zehn Jahren von der Wohnbaugenossenschaft Gesewo für das sogenannte Cluster-Wohnen erstellt: Es bietet 16 kleinere Wohnungen – alle mit einer Mini-Küche und eigenem Badezimmer. Dazu kommen Gemeinschaftsräume wie eine grosszügige Küche, ein Wohnzimmer sowie zahlreiche Nischen mit Einrichtungen, die von allen benutzt werden können: Drucker, Bügelbrett, Nähmaschine und Putzkasten.

Die vier Männer und 12 Frauen in der Hausgemeinschaft sind zwischen 53 und 83 Jahre alt. Einmal im Monat gibt es eine Haussitzung mit gemeinsamem Nachtessen. Vor der Pandemie habe regelmässig jemand auch spontan gekocht und andere hätten sich dazugesetzt, erzählt Susanna Leder. Mittlerweile sei es etwas ruhiger geworden. Wird eine Wohnung frei, kann die Hausgemeinschaft selber über neue Mieter oder Mieterinnen bestimmen. „Es braucht etwas Toleranz und Grosszügigkeit“, betont Leder. „Nicht alle passen in eine derartige Wohnform.“ Immer wieder komme es zu Diskussionen über Dinge wie etwa die Ordnung in der Küche oder den Standort des Stewis. „Oft sind es banale Sachen, die am meisten zu reden geben.“

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Spontane Begegnungen zuhause

Natürlich seien nicht alle Mitbewohnerinnen und -bewohner beste Freunde, räumt Leder ein. Zu einigen habe sie mehr, zu anderen weniger Kontakt.  Wie gut man in der Gemeinschaft eingebunden sei, hänge von jedem Einzelnen ab. Wenn jemand krank ist, schauen die anderen zu dieser Person und kaufen zum Beispiel für sie ein. Längerfristige Pflege hingegen muss anders organisiert werden. Für Susanna Leder sind die spontanen Begegnungen im Alltag sehr wertvoll. „Hier habe ich die Möglichkeit, kurze Gespräche zu führen, ohne immer abmachen zu müssen.“

Hausgemeinschaften für ältere Menschen sind noch nicht sehr verbreitet. Eine Schwierigkeit ist, dass sich die meisten bestehenden Wohnhäuser kaum dafür eignen. Wohngemeinschaften, in denen man Bad und Küche teilt, können sich viele ältere Menschen nicht mehr vorstellen. Und Cluster-Wohnungen wie in der Kanzlei-Seen sind nicht für alle erschwinglich.

Dennoch tun Singles gut daran, sich frühzeitig Gedanken zu machen, wie sie ihren Lebensabend gestalten möchten. Denn wenn man verwitwet ist, die Kinder weit weg wohnen, Freunde zunehmend wegsterben und man auch selber gesundheitlich angeschlagen ist, wird es schwierig, mit anderen Menschen regelmässige Kontakte zu pflegen. An Einsamkeit leiden zwar auch viele junge Menschen. Doch im Alter sind auch Personen betroffen, die im früheren Leben gesellschaftlich gut eingebunden waren.

Einsamkeit macht krank

Einsamkeit kann weitreichende Folgen haben. Wissenschaftliche Untersuchungen lassen auf gesundheitliche Probleme schliessen, die mindestens so gravierend sind wie Rauchen und Übergewicht: Einsame Menschen leider häufiger unter Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Depressionen und begehen häufiger Suizid. Frauen seien zwar in der Regel besser vernetzt als Männer, sagt Oliver Hämmig. Der Sozial- und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Zürich hat diverse Arbeiten zum Thema Einsamkeit und soziale Isolation publiziert. „Doch Frauen leiden stärker unter belastenden Trennungen oder Konflikten mit nahestehenden Personen und fühlen sich öfters einsam als Männer“, erklärt der Forscher. Dagegen seien Männer häufig stark auf ihre Partnerinnen fokussiert. Verlieren sie diese infolge Trennung, Scheidung oder Tod, sind sie umso eher einsam und isoliert.

Obwohl Einsamkeit ein sehr verbreitetes Problem ist – mehr als ein Drittel der Schweizer Bevölkerung fühlt sich manchmal bis häufig einsam –, werde das Thema gerne tabuisiert und auch wenig darüber geschrieben und geforscht, weiss Oliver Hämmig. Dies erschwere es Betroffenen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Viele schämen sich für ihre Situation.“ Dabei gebe es gerade für ältere Personen zahlreiche Angebote, um mit andern in Kontakt zu kommen.

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Im Kanton Zürich zum Beispiel bietet der Verein Zämegolaufe in diversen Gemeinden kleine Spaziergänge an. Sie eignen sich auch für Personen, die in einer Wandergruppe körperlich überfordert wären. Nach dem Rundgang geht man zusammen etwas trinken. „Die Spaziergänge haben sich speziell in der Corona-Zeit bewährt, da sie den sozialen Austausch in der Natur fördern“, sagt Manuela Kobelt, Leiterin des Programms Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich. Das an der Universität Zürich entwickelte Programm soll nun auf weitere Kantone ausgedehnt werden. Ein geschätztes Angebot ist auch das Café Balance, das in 11 Zürcher Gemeinden durchgeführt wird. Nach den Turnlektionen, bei denen Kraft, Koordination und geistige Fitness trainiert werden, gibt es stets eine Kaffeerunde.

Auch in anderen Kantonen bestehen zahlreiche Angebote für ältere Menschen, bei denen gewandert, getanzt, geturnt oder Neues gelernt werden kann. Eine gute Möglichkeit, sich sinnvoll zu beschäftigen und unter die Leute zu kommen, ist auch ein ehrenamtliches Engagement. Je nach Neigung werden Menschen gesucht, die in Pflegeheimen etwas Abwechslung bieten, in einem Brockenhaus mitarbeiten, mit jemandem für die Autofahrprüfung üben oder einer blinden Person beim Einkaufen helfen. Bei der Organisation Benevol findet sich so ziemlich für jedermann und jedefrau eine sinnvolle Aufgabe.

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 01.12.2021


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