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Angst vor Spinnen, Schlangen oder Ratten?

Spinnen, Schlangen und Ratten: Vor diesen Tieren haben viele eine irrationale Angst, die durch das Ausweichverhalten immer stärker wird. Doch Phobien kann man gut behandeln.

Wieso fürchten sich Menschen besonders vor Tieren wie Spinnen, Schlangen, Mäusen und Ratten?

Viele Ängste, die unbegründet erscheinen, waren früher durchaus sinnvoll oder sind es heute noch. So können Schlangen und Spinnen tatsächlich giftig sein, während Nagetiere Krankheiten übertragen. Die Angst vor solchen Tieren ist tief in uns verankert und wahrscheinlich genetisch bedingt – Fachleute sprechen von Preparedness. Dies, obwohl Gefahren wie Autos oder ansteckende Krankheiten heutzutage weit grösser sind. In einer Studie reagierten bereits wenige Monate alte Kinder mit geweiteten Pupillen, wenn man ihnen Bilder von Spinnen zeigte. Bei Bildern von Blumen mit derselben Farbe war dieser Effekt deutlich weniger stark.

Was bedeutet der Begriff Phobie und wie entstehen Phobien?

Im medizinischen Bereich ist damit eine starke Angst gemeint, von der Betroffene wissen, dass sie unverhältnismässig ist. Meist geht sie mit körperlichen Symptomen wie Schweissausbrüchen und Herzrasen einher. Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch häufig im Zusammenhang mit einer Abneigung verwendet. Beispiele dafür sind die Homophobie (Ablehnung der Homosexualität) und die Xenophobie (Ablehnung von Fremden).

Neben der angeborenen Neigung zur Furcht vor gewissen Tieren oder Situationen spielen häufig traumatische Erfahrungen eine Rolle, erklärt Psychotherapeut Gianandrea Pallich. «Viele Betroffene können von einem spezifischen Erlebnis erzählen – etwa, wie sie als Kind im finsteren Keller in ein Spinnennetz hineingelaufen sind.» Zudem werden Ängste Menschen angelernt und weitergegeben, zum Beispiel durch Geschichten, Filme oder das Verhalten der Eltern.

Wie verbreitet sind Phobien? Welche nicht-tierischen Phobien gibt es?

Mehr als jede zehnte Person leidet einen Teil des Lebens an einer Phobie, darunter deutlich mehr Frauen als Männer. Bei den Tierphobien ist diejenige gegenüber Spinnen die häufigste. Von einer ausgeprägten Spinnenphobie – im Fachbegriff Arachnophobie – sind 5,6 Prozent der Frauen und 1,2 der Männer betroffen. Rechnet man diejenigen Menschen mit ein, die nur eine leichtere Furcht vor Spinnen haben, kommt man auf fast 25 Prozent.

Häufig sind unter anderem die Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), die Agoraphobie (weite Plätze), die Flugangst, die Höhenangst sowie Angst vor Blut und Spritzen. Die Liste der möglichen Formen ist aber lang. Sie reicht von Abortophobie (Fehlgeburt) über Emetophobie (Erbrechen) bis zur Zahnarztphobie.

Wie wirkt sich eine Phobie im Alltag aus?

Betroffene versuchen, eine Begegnung mit dem Auslöser ihrer Phobie möglichst zu vermeiden. Wie stark dieses Verhalten ihren Alltag prägt, hängt ganz von der Art der Phobie ab. Während man Schlangen und Ratten hierzulande relativ gut ausweichen kann, seien Begegnungen mit Spinnen wahrscheinlicher, sagt Pallich. «Menschen mit einem Horror vor den achtbeinigen Tierchen vermeiden meist Wiesen, Wälder, Keller und Estriche und öffnen die Fenster möglichst wenig. Entdecken sie eine Spinne in ihrer Wohnung, erstarren sie vor Schreck und benötigen Hilfe, um den Eindringling hinauszubefördern.» Auch Menschen mit sozialen Phobien schränken ihren Lebensstil oft stark ein.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Ist das Vermeidungsverhalten sinnvoll? Was sollte man stattdessen tun?

Nein, im Gegenteil: Es verstärkt die Phobie. Denn mit dem Ausweichen verbaut man sich selber positive Erfahrungen. Wenn man nichts gegen die Ängste unternimmt, bleiben sie oft ein Leben lang bestehen und schränken Betroffene stark ein.

Sehr vielversprechend ist eine Expositionstherapie. Dabei nähert man sich dem Objekt seiner Panik in einem geschützten Rahmen behutsam an, am besten in Begleitung einer Fachperson. Es geht darum, die Angst auszuhalten und zu erleben, dass das Befürchtete nicht eintritt. So wird das Vertrauen in die Sicherheit Schritt für Schritt gestärkt.

Wie funktioniert eine Behandlung gegen Spinnenphobie konkret? Ist man danach für immer geheilt?

Die Therapie der Universität Zürich findet bewusst in einer Gruppe statt. «So können sich die Teilnehmenden gegenseitig motivieren und werden durch die Fortschritte der anderen ermutigt», erklärt Pallich. Zu Beginn erhalten die Teilnehmenden Informationen über lokale Spinnen und schauen sich Bilder an. Danach beobachten sie echte tote und lebendige Spinnen – begleitet von Therapeutinnen und Therapeuten, die sie beim ruhigen Atmen anleiten. Nach vier Stunden gelingt es den meisten, eine lebendige Spinne zu fangen und wieder zu befreien oder sogar in die Hand zu nehmen.

Nach der Therapie sollte man sich regelmässig wieder Spinnen oder Bildern davon aussetzen. Hilfreich dabei sind spezielle Apps – etwa die an der Universität Basel entwickelte App Phobys. Weiter kann man sich Dokumentarfilme von Spinnen anschauen. Und bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet, sollten Betroffene wieder eine lebendige Spinne mit einem Karton und einem Behälter einfangen und aus der Wohnung befördern. Vielen hilft es, wenn sie dabei ruhig mit der Spinne reden.

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 22.04.2022


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