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Gesünder leben?

Gesünder leben?

Die Sehnsucht als Wegweiser im Leben

Die Sehnsucht – dieses bittersüsse Gefühl kennt wohl jeder Mensch. Wir erklären, was es damit auf sich hat, warum sie entsteht und wie sie sich an Weihnachten zeigt.

Wer kennt sie nicht, die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, der Verwirklichung im Beruf – oder nach den perfekten Weihnachten?  Sehnsucht kann sich konkret auf bestimmte Menschen oder Dinge beziehen oder auch relativ nebulös und vage sein. Wie das Gefühl entsteht und wozu es gut ist.

Was ist Sehnsucht?

«Von der Empfindungsseite her ist es ein intensives, bittersüsses Gefühl, das den Menschen zum Objekt seiner Sehnsucht zieht und sich häufig auch im Körper mit einem Ziehen oder mit Druck auf der Brust äussert», erklärt die Sehnsuchtsforscherin Alexandra Freund. «Die Sehnsucht hat aber auch viel mit unseren eigenen Gedanken und Vorstellungen zu tun.» Sie wird auch vom Umfeld und der Kultur beeinflusst, in denen wir leben. Sie kann sich ganz konkret auf bestimmte Dinge oder Menschen beziehen oder auch relativ nebulös und vage sein. Sie ist immer symbolisch und geht um das, was einem im Leben schmerzlich fehlt. Man kann sich zum Beispiel nach einer Perlenkette sehnen und damit auch nach dem, wofür der Schmuck steht, also Vorstellungen von Weiblichkeit, Schönheit, Eleganz und Luxus. Dieser Symbolcharakter ist jedoch häufig nicht offensichtlich und darum den Menschen nicht immer bewusst.

Was sind Ursachen von Sehnsucht?

Häufig nährt sich die Sehnsucht aus einem Verlust. «Jemand hatte beispielsweise zwei Berufsmöglichkeiten, Uhrmacherin und Schreinerin, und musste eine Wahl treffen», sagt die Entwicklungspsychologin. «Und später bedauert sie, dass sie eine Option verloren hat, und fragt sich, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie anders gewählt hätte.» Es kann sich auch um Menschen, Wohnorte oder Lebensentwürfe handeln, gegen die wir uns entschieden haben. Menschen können sich aber auch nach Dingen oder Eigenschaften sehnen, die sie noch gar nie hatten, wie Schönheit, Sorglosigkeit oder einen grossen Freundeskreis. Die Werbung setzt solche Sehnsüchte gezielt ein. Wir sehen beispielsweise in einem Werbespot für Alkohol, wie schöne Menschen an einem grossartigen Ort ein fantastisches Leben geniessen. Die Botschaft lautet: Wenn wir das Produkt kaufen, können auch wir ein solches Leben führen. Aber das stimmt nicht. Es stimmt nicht einmal für die Models, die in der Werbung auftreten und die nur so tun als ob.

Müssen Sehnsüchte verwirklicht werden?

Die Sehnsucht bleibt in der Regel eine Utopie, etwas Unerreichbares. Menschen stellen sich oft vor, dass ihnen etwas Bestimmtes im Leben fehlt. Sie denken beispielsweise, wenn sie reich wären, dann wäre ihr Leben perfekt. Aber wenn sich die Sehnsucht erfüllen sollte, wenn sie z. B. im Lotto gewinnen würden, würden sie merken, dass damit längst nicht alles gut wird. Sehnsüchte sollen Sehnsüchte bleiben. Man sollte sich vom Gedanken verabschieden, mit ihrer Verwirklichung würde alles plötzlich toll werden, denn damit ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Was ist die Funktion der Sehnsucht?

Die Sehnsucht kann Menschen dabei helfen, verstorbene Personen oder vergangene Beziehungen wenigstens in Gedanken und mit Gefühlen am Leben zu erhalten. Vor allem kann sie eine richtunggebende Funktion erfüllen, die jedoch nicht alle nutzen. Sie kann eine Art Wegweiser sein und den Menschen zeigen, was sie in ihrem Leben vermissen und was sie darin haben möchten. Oft ist es so, dass es Aspekte der Sehnsucht gibt, die man in sein Leben einbauen kann. Vielleicht ist jemand nicht Pianist geworden, hat sich für einen anderen Weg entschieden und die Sehnsucht ist geblieben. Diese Person kann aber immer noch so oft wie möglich Klavier spielen und somit ihre Leidenschaft auf einem realistischen Niveau in ihr Leben holen. Das kann auch sehr befriedigend sein. 

Was ist die grösste Sehnsucht?

Zentral ist die Sehnsucht nach einer tiefen, echten emotionalen Verbindung. Ganz viele Menschen sehnen sich nach einer grossen Liebe oder nach Geborgenheit in der Familie. Aber auch auf berufliche Verwirklichung, auf die Gestaltung des eigenen Lebensweges beziehen sich viele Sehnsüchte. Der Inhalt der Sehnsucht verändert sich mit den Jahren.

Die Forschung zeigt, dass sozialpolitische Anliegen mit dem Alter wichtiger werden. Frieden auf der Welt, in einer sicheren Umgebung zu leben, aber auch gesundheitliche Themen erhalten eine immer grössere Bedeutung.

Die Idealisierung der Kindheit

Viele Menschen sehnen sich nach ihrer Kindheit zurück. «Dabei handelt es sich häufig um die Sehnsucht nach einem vergangenen Zustand, der aus der Erwachsenensicht völlig idealisiert wird», sagt die Expertin. «Wir sehnen uns nach der vermeintlichen Sorglosigkeit der Kindheit und vergessen dabei, dass wir auch als Kind Sorgen hatten.» Im Nachhinein, viele Jahre später, erscheinen uns diese Probleme nichtig und klein, aber in der Kindheit waren sie wichtig für uns.

Die perfekte Weihnacht als Sehnsucht

«Die perfekte Weihnacht gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird es nie geben», sagt sie. Die gab es übrigens auch in unserer Kindheit nicht. Da waren wir mal enttäuscht, weil wir das falsche Geschenk bekommen haben oder der Bruder das vermeintlich grössere Geschenk erhalten hat. Trotzdem sehnen wir uns immer noch nach einer perfekten Weihnacht, weil sie für vieles steht: Es ist das sogenannte Fest der Liebe, bei dem die Familien in Harmonie, voller Zuneigung und Wohlwollen füreinander zusammenkommen sollen. Aber das funktioniert meistens nicht, denn wir sind auch an Weihnachten die gleichen Menschen wie sonst, und Konflikte sind nun mal unvermeidlich. Dennoch handelt es sich bei diesem Streben nach der perfekten Weihnacht um eine positive Sehnsucht, weil sie uns dazu bringt, uns immer wieder Mühe zu geben, und weil wir damit zeigen, wie wichtig uns der Anlass und die Menschen sind, die daran teilnehmen.

Die Erwartungen an Weihnachten anpassen

Um Weihnachten zu einem möglichst schönen Erlebnis zu machen, kann man seine Erwartungen herunterschrauben. Man kann sich beispielsweise eingestehen: «Ja, ich wünsche mir sehnlich, dass diese Weihnacht wunderbar wird, aber ich weiss schon jetzt, dass es anders kommen wird. Ich werde nicht enttäuscht sein, wenn Onkel Hans wieder politische Sprüche klopft und meine Schwester Stephanie wütend wird.» Man kann trotzdem sein Bestes geben, aber man sollte keine Perfektion anstreben. Wenn man den Fokus verschiebt und sich auf das Schöne konzentriert, das vorhanden ist, ist schon viel gewonnen. Und auch etwas Humor hilft dabei, solche Situationen gut zu meistern.

von Nadia Fernández,

veröffentlicht am 13.12.2023, angepasst am 13.12.2023


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