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Gesünder leben?

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Selbstgespräche: Ist es normal, mit sich selbst zu reden?

Selbstgespräche gehören zum Alltag. Mit sich selbst zu reden hilft, Gedanken zu ordnen. Entscheidend ist nicht, ob man Selbstgespräche führt, sondern wie man sie führt.

Viele Menschen sprechen mit sich selbst, meist im Stillen. Auch wenn es fast jeder tut, finden manche Menschen Selbstgespräche noch immer seltsam. Dabei sind sie aus psychologischer Sicht ein normaler Bestandteil der Selbstregulation: «Sie unterstützen dabei, Erlebtes zu verarbeiten, Zukünftiges vorzubereiten und in anspruchsvollen Situationen handlungsfähig zu bleiben», erklärt Nadia Fernández Müller, Psychologische Beraterin mit eigener Praxis.

Was sind Selbstgespräche?

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Selbstgespräche sind kurze innere oder laut ausgesprochene Dialoge mit sich selbst. Oft handelt es sich um einzelne Sätze oder Kommentare wie:

  • «Jetzt Schritt für Schritt.»
  • «Das hat besser funktioniert als gedacht.»
  • «Darauf muss ich beim nächsten Mal achten.»

Man geht davon aus, dass die grosse Mehrheit der Erwachsenen regelmässig Selbstgespräche führt. Besonders dann, wenn Aufmerksamkeit, Planung oder emotionale Kontrolle gefragt sind.

Es gibt zwei Arten von Selbstgesprächen:

  1. Das leise Selbstgespräch: Innere Gedanken oder kurze gedankliche Dialoge, die ausschliesslich im Kopf stattfinden. Andere Personen nehmen das stille Selbstgespräch nicht wahr. In der Psychologie werden sie auch als inneres Sprechen bezeichnet. 
  2. Das laute Selbstgespräch: Hörbar ausgesprochene Worte oder Sätze. Das laute Selbstgespräch richtet sich jedoch nicht an eine andere Person. 

Warum und wann wir Selbstgespräche führen

«Ein zentraler Grund für Selbstgespräche ist die Strukturierung von Gedanken», weiss die Expertin. «Sprache hilft dem Gehirn, Informationen zu ordnen und Handlungen zu steuern. Wer mit sich selbst spricht, sortiert Eindrücke, bewertet Situationen und bereitet nächste Schritte vor.»

Selbstgespräche treten daher häufig auf:

  • bei Konzentrationsaufgaben
  • unter Zeitdruck oder emotionalem Stress
  • vor wichtigen Gesprächen oder Entscheidungen

Sie sind kein Zeichen von Unsicherheit, sondern ein Hinweis darauf, dass das Gehirn aktiv dabei ist, Gedanken und Emotionen zu ordnen.

Sind Selbstgespräche gut für die Psyche?

Konstruktive Selbstgespräche gelten als psychisch gesund. Sie können helfen, Stress zu reduzieren, das Selbstvertrauen zu stärken und Gefühle einzuordnen, ohne von ihnen bestimmt zu werden. 

Wichtig ist dabei die Ausrichtung. Weniger hilfreich sind Selbstgespräche, die ausschliesslich aus Vorwürfen oder Grübelschleifen bestehen. «Nicht das Sprechen mit sich selbst ist problematisch. Sondern der oftmals destruktive, hyperkritische Ton, in dem es geschieht », erklärt Nadia Fernández Müller.

Wie lassen sich Selbstgespräche im Alltag nutzen?

Selbstgespräche entstehen meist automatisch. Sie lassen sich jedoch auch bewusst steuern, indem man kurz innehält und seine Gedanken gezielt in Worte fasst. Dabei sind einfache, sachliche Sätze, die sich direkt auf die jeweilige Situation beziehen, hilfreich. Das ist zum Beispiel bei Stress, bei der Entscheidungsfindung oder in Konzentrationsphasen hilfreich. Das Ziel besteht darin, seine Gedanken zu ordnen und den Überblick zu behalten.

Was sind positive Selbstgespräche?

Positive Selbstgespräche zielen darauf ab, uns zu ermutigen und den inneren Kritiker, der bei vielen Menschen zu stark ausgeprägt ist, zum Schweigen zu bringen. Anstatt den Fokus auf die Aspekte zu legen, die vielleicht noch etwas mangelhaft sind, betonen wir, was wünschenswert wäre:

  • «Ich bin vorbereitet.»
  • «Ich bleibe ruhig und gelassen.»
  • «Ich gehe das Schritt für Schritt an.» 

Genauso, wie negative Selbstgespräche uns herunterziehen können, so können uns positive Selbstgespräche Mut machen und beflügeln. Unterstützend wirken Selbstgespräche vor allem dann, wenn sie glaubwürdig sind und sich auf konkrete Situationen beziehen.

Selbstgespräche führen: Warum die Du-Form helfen kann

Psychologische Studien weisen darauf hin, dass Selbstgespräche in der Du-Form wirksam sein können. Aussagen wie «Du schaffst das» oder «Du darfst dir Zeit nehmen» helfen, innerlich Abstand zu gewinnen und ruhiger auf eine Situation zu blicken. Diese Perspektive erleichtert es, Emotionen zu regulieren. Ähnlich wie bei einem inneren Dialog mit einer vertrauten Person. Auch diese Beobachtung deckt sich mit Einschätzungen aus der Klinischen Psychologie. «Meine persönliche Erfahrung in der Praxis zeigt allerdings, dass sich die meisten Menschen mit der Ich-Form viel direkter angesprochen fühlen als mit der Du-Form», so Nadia Fernández Müller.

Mit sich selbst reden und antworten: Ist das normal?

Sich innerlich Fragen zu stellen und selbst darauf zu antworten, ist ein normaler Denkprozess. Das Gehirn simuliert dabei einen Dialog, um Optionen abzuwägen oder Entscheidungen vorzubereiten.

Unproblematisch sind Selbstgespräche, solange sie:

  • als eigene Gedanken erlebt werden
  • situationsbezogen bleiben
  • bewusst steuerbar sind

Selbstgespräche sind in jedem Alter normal:

  • Kinder sprechen häufig laut mit sich selbst, um Erlebtes zu ordnen.
  • Erwachsene führen Selbstgespräche meist innerlich.
  • Auch im höheren Alter können sie helfen, Struktur und Orientierung zu behalten.

Es gibt keine Altersgrenze, ab der Selbstgespräche ungewöhnlich wären.

Was sind unkontrollierte Selbstgespräche?

Als unkontrolliert gelten Selbstgespräche dann, wenn Gedanken sehr aufdringlich wirken, sich kaum unterbrechen lassen oder als fremd erlebt werden. Diese Form unterscheidet sich deutlich von alltäglichen Selbstgesprächen und sollte fachlich abgeklärt werden. Insbesondere, wenn sie als belastend wahrgenommen werden. 

«Wenn Selbstgespräche ausschliesslich negativ sind, Angst oder Panik auslösen, die Kontrolle über andere Gedanken erschweren oder die Alltagsfunktion beeinträchtigen, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll», rät die Expertin.

Bei welcher psychischen Erkrankung führt man Selbstgespräche?

«Normale Selbstgespräche sind kein Anzeichen für eine psychische Erkrankung», weiss Nadia Fernández Müller. Bei bestimmten psychischen Störungen können jedoch Symptome auftreten, die sich klar davon unterscheiden. «Dazu gehören etwa das Hören von Stimmen, die nicht als eigene Gedanken wahrgenommen werden.» 

Die psychologische Beraterin betont: «Entscheidend ist, ob Gedanken als eigene wahrgenommen werden oder sich fremd anfühlen.»

Fazit: Selbstgespräche gehören zur mentalen Selbstregulation

Selbstgespräche sind kein Zeichen von Verwirrung, sondern ein alltägliches Werkzeug des Denkens. Wer lernt, sachlich und wohlwollend mit sich selbst zu sprechen, unterstützt Konzentration, emotionale Stabilität und kann besser mit Belastungen umgehen.

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