Rückenschmerzen gelten heute als echte Volkskrankheit. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die im Schnitt öfter über Beschwerden klagen als Männer. Doch warum sind Rückenschmerzen so weit verbreitet, was hilft dagegen und was kann man präventiv tun, um sie möglichst zu verhindern?
Rückenschmerzen und Verspannungen betreffen mittlerweile einen grossen Teil der Bevölkerung – auch in der Schweiz. Gemäss Rückenreport 2020 der Rheumaliga geben nur noch 12 % der Befragten an, nie oder nur selten unter Rückenschmerzen zu leiden. Zum Vergleich: Beim letzten Report im Jahr 2011 lag dieser Anteil noch bei 37 %.
56 Prozent der Frauen haben laut der Umfrage der Rheumaliga Schweiz mehrmals pro Monat oder sogar mehrmals pro Woche Rückenschmerzen. Bei den Männern sind es 44 Prozent.
Es ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt, wieso mehr Frauen als Männer von Rückenweh betroffen sind. Anatomische und hormonelle Unterschiede können eine Rolle spielen. «Eine Berufsgruppe, die besonders häufig unter Rückenschmerzen leidet, sind Pflegefachpersonen», sagt Barbara Kempter, Physiotherapeutin bei Medbase in Zürich Oerlikon. Frauen leisten insgesamt privat mehr Sorgearbeit, pflegen häufiger Angehörige und tragen Kinder herum. Ebenso leiden Personen mit geringem Einkommen häufiger unter Rückenschmerzen – da sind Frauen ebenfalls in der Mehrheit.
Circa 90 Prozent der Rückenschmerzen gelten als sogenannte unspezifische Rückenschmerzen, das heisst, es lässt sich gar nicht so genau sagen, weshalb sie auftreten. Meistens spielen verschiedene Faktoren zusammen. «Zwei wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Rückenschmerzen sind Bewegungsmangel und Stress», so Kempter. Auch schlechte Körperwahrnehmung oder Fehlbelastungen können eine Rolle spielen. Schmerzquelle ist oft die Muskulatur.
Bewegung tut generell gut. «Mach etwas, das dir Spass macht, dann bleibst du auch eher dran», rät Kempter. Ausserdem wichtig: genügend Schlaf, Stress reduzieren und psychische Belastungen angehen. Ein normales Körpergewicht und Rauchverzicht helfen zusätzlich, Rückenschmerzen zu vermeiden.
«Bei akuten Rückenschmerzen ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben und Alltagsaktivitäten aufrecht zu erhalten», sagt Kempter. Gezielte Übungen können Linderung verschaffen, zum Beispiel Beckenbewegungen im Liegen oder in der Vierfüsslerposition. Sind die Schmerzen so stark, dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist, können entzündungshemmende Schmerzmittel für einige Tage sinnvoll sein.
Bei länger anhaltenden Rückenschmerzen zeigen in Studien gezielte Übungen zur Rumpfstabilisation und Training wie Pilates die besten Resultate. Manuelle Therapieformen wie Dry Needling, Akupunktur oder Osteopathie bringen manchmal zusätzliche Verbesserung. Schliesslich könne in gewissen Fällen auch eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie) sinnvoll sein, so Kempter.
Grundsätzlich gibt es keine falschen Übungen. Aber die Belastbarkeit für schwierigere Übungen oder Training mit hohen Gewichten sollte schrittweise aufgebaut werden. Kempter sagt, dass manche Patientinnen Übungen aus dem Internet befolgen, obwohl sie ihnen nicht guttun. Es sei wichtig, auf den Körper zu hören und im Zweifelsfall eine Fachperson zu fragen.
Bei Rückenschmerzen sollte man nicht nur liegen und sich komplett schonen. Durch Bettruhe können sich die Beschwerden sogar verschlimmern. Besser ist es, wenn man versucht, sich trotz Schmerzen normal zu verhalten: Herumgehen, leichte Haushaltsarbeiten erledigen und wenn möglich sogar arbeiten.
Bei akuten Rückenschmerzen sollte man in folgenden Fällen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen:
Bei längerdauernden moderaten Rückenschmerzen kann man zuerst versuchen, selbst etwas zu unternehmen, zum Beispiel sich mehr zu bewegen. Wenn das nichts hilft, ist Physiotherapie empfehlenswert. «Unser Ziel ist, eine anhaltende Verbesserung zu erreichen, indem die Patienten verstehen, was zu den Schmerzen beiträgt und wie sie diese beeinflussen können», sagt Kempter.