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Reisekrankheit: warum wird mir im Auto schlecht?

Wenn einem schlecht wird im Auto oder auf dem Schiff, spricht man von Reisekrankheit oder Seekrankheit. Was die Übelkeit auslöst, und welche Tipps dagegen helfen.

Gleichgewichtsorgan an Gehirn: Achtung, Wellengang. Augen an Gehirn: Alles ruhig – nehmen keine Bewegung wahr. Diese Situation passiert etwa, wenn wir sitzen und ein Buch lesen, während sich Schiff, Bus oder Auto bewegen. Dann kann es zu Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, kommen. Auch die Seekrankheit ist eine Form der Reisekrankheit.

Wie kommt es zur Reisekrankheit?

«Reisekrankheit ist eine Reaktion des Organismus auf ungewohnte Bewegungsreize bei raschen Gleichgewichtsveränderungen», sagt Nelly Richina, Fachapothekerin FPH und Geschäftsführerin der Berg-Apotheke by Medbase. Unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert Bewegungen, Beschleunigungen, Turbulenzen, Kurven, Steigungen. Wenn sich diese aber nicht mit der optischen Sinneswahrnehmung decken, treffen widersprüchliche Reize im Gehirn ein. Das Gehirn kann diese uneinheitlichen Eindrücke nicht schlüssig verarbeiten und startet ein Alarmprogramm. Typische Symptome sind etwa Schwindel, Blässe, Schweissausbruch, Müdigkeit, und auch das Brechzentrum wird aktiviert.

Warum wird mir mit VR-Brille schlecht?

Übrigens kann die Kinetose auch als Skikrankheit auftreten, auf der Piste bei schlechter Sicht, wenn man den Schnee nicht vom weissen Himmel unterscheiden kann. Genauso wie mit einer Virtual-Reality-Brille, im umgekehrten Sinn: Die Augen sehen Bewegungen, während im Sitzen Gleichgewichtsorgan und Bewegungsapparat Bewegungslosigkeit melden.

Wer ist von Reisekrankheit betroffen?

Betroffen von der Reiseübelkeit sind vor allem Kinder von zwei bis etwa zwölf Jahren, weil ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht völlig ausgebildet ist. Auch leiden aufgrund von hormonellen Einflüssen mehr Frauen als Männer darunter. Krankheiten wie Migräne, Schwindelgefühle und psychische Einflüsse wie Ängste (z. B. Flugangst) können ebenfalls eine Rolle spielen. Die Symptome schwellen oft wellenförmig an und ab, meist erholt man sich aber rasch wieder. «Interessant ist, dass bei konstanter Exposition eine Gewöhnung eintritt – in der Regel nach etwa drei Tagen», so Nelly Richina.

Was tun gegen die Reiseübelkeit im Verkehr?

Wäre es denn nicht hilfreich, während der Reise die Augen zu schliessen, um den visuellen Reiz auszuschalten? Tatsächlich können geschlossene Augen und regelmässige kontrollierte Atmung eine mögliche Linderung bringen. Die Apothekerin der Berg-Apotheke by Medbase in Zürich empfiehlt sogar, bei bekannter Reisekrankheit nachts zu reisen und bewusst zu schlafen, weil damit auch der Gleichgewichtssinn eine Pause macht. Die weiteren Tipps:

  • In Fahrtrichtung in die Ferne auf einen festen Punkt blicken oder den Horizont fixieren. Dann kann das Gehirn die Ursache einer passiven Bewegung erkennen. Nach unten schauen und lesen oder auf einen Bildschirm schauen ist eher kontraproduktiv.
  • In der Mitte sitzen, weil dort die Bewegung am wenigsten spürbar ist. Das heisst: Im Flugzeug einen Sitz über den Tragflächen am Fenster und auf dem Schiff einen Platz oder eine Kabine im Mittelteil – entweder dicht über dem Wasserspiegel oder auf Deck – wählen. Im Bus bietet sich ein Platz vorne an. Auch im Auto ist es besser, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen oder selber zu fahren.
  • Im Zug nicht rückwärts, sondern in Fahrtrichtung fahren.
  • Manchmal hilft schon ein wenig Ablenkung. Gerade mit Kindern im Auto kann man die Aufmerksamkeit zum Beispiel auf Hörspiele und Musik lenken, Ratespiele machen, Singen oder eine Geschichte erzählen. Wieso es einem übrigens am Steuer praktisch nie schlecht wird? – Weil man sich als Fahrer/Fahrerin ganz auf die Strasse konzentriert.
  • Hilfreich ist es, Kopfbewegungen zu vermeiden und etwa den Kopf gegen die Kopfstütze zu pressen. Denn schaukelt der Kopf während der Fahrt hin und her, kann es einem eher schlecht werden.
  • Idealerweise legt man regelmässig Pausen ein, atmet frische Luft und bewegt sich ein wenig. Ein Halt an einem Ort mit Gestank – zum Beispiel von Benzin an einer Tankstelle oder Abgase – kann Übelkeit hingegen beschleunigen.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Wie helfen Kauen und Schlucken gegen Übelkeit?

  • Weder mit leerem noch mit vollem Magen reist es sich gut. Vor und während der Reise sollte man leichte, fettarme Mahlzeiten zu sich nehmen.
  • Kaubewegungen scheinen eine Überreaktion des Magens leicht zu mildern. Das kann ein Kaugummi sein, eine Süssholzwurzel oder kleine Scheiben roher Ingwer.
  • Ingwer gilt als bewährtes Hausmittel gegen Übelkeit. Dessen Enzyme lindern das ungute Gefühl im Magen. Am besten kaut man eine frische Scheibe Ingwer. Oder man nimmt einen halben Kaffeelöffel getrocknetes Ingwerpulver (auch in Kapselform) eine halbe Stunde vor Reiseantritt ein. Auch empfehlenswert ist das langsame Zerkauen der Galgantwurzel, einer nahen Verwandten des Ingwers.
  • Oder man nimmt kleine Schlucke Ingwertee oder Zitronenmelissentee. Kaffee? Alkohol? – Fehlanzeige bei Tendenz zu Reiseübelkeit.
  • Als Geschäftsleiterin der grössten Kräuter-Apotheke der Schweiz kennt Nelly Richina noch einen weiteren Tipp: Mutterkümmelmischpulver (Kreuzkümmel, weisser Pfeffer und Bibernellwurzel). Damit kann man zum Beispiel mit Dinkelmehl Kekse für unterwegs backen.
  • Linderung kann auch das Riechen an Pfefferminzöl bringen. Oder man gibt einen Tropfen direkt auf die Zunge und speichelt diesen lange ein.

Was bringt Akupressur gegen Reiseübelkeit?

  • Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt einen Akupressur-Punkt gegen Übelkeit: Der Nei-Kuan-Punkt liegt drei Finger breit unterhalb des Handgelenkansatzes auf der Innenseite des Unterarms, zwischen zwei spürbaren Sehnen. Mit der Fingerkuppe drückt man diesen Punkt mehrere Minuten lang. Damit sollen Energieströme im Körper beeinflusst und der Magen-Darm-Trakt beruhigt werden. 
  • Akupressur-Armbändern mit kleinen Noppen an der Innenseite wird derselbe positive Effekt nachgesagt.

Welche Medikamente helfen gegen Reisekrankheit?

Medikamente gegen Reisekrankheit gibt es in Form von Tabletten, Zäpfchen, Kapseln, Pflaster. In erster Linie gilt es – neben dem Alter der Reisenden – zu unterscheiden, ob es einem unterwegs regelmässig schlecht wird oder man ein Notfallmittel dabeihaben möchte. Als Stand-by-Medikament empfiehlt sich der Reisekaugummi. Dieser ist im Falle eines Falles in wenigen Minuten wirksam, der Wirkstoff wird beim Kauen rasch über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Wer immer wieder leidet, sollte ein Medikament vorbeugend eine halbe Stunde vor der Reise einnehmen. Wenn einem bereits schlecht ist, nützt eine Tablette nichts, denn sie kann im Magen/Darm nicht aufgenommen werden.

Bei der Selbstmedikation von Reisekrankheit handelt es sich in der Regel um Antihistaminika. Diese enthalten einen Wirkstoff, welcher die Rezeptoren für den Botenstoff Histamin blockiert und der Übelkeit entgegenwirkt. Eine Nebenwirkung vieler Präparate – vor allem der älteren Generation – ist aber, dass sie müde und schläfrig machen. Man sollte sich also nicht selbst ans Steuer setzen.

Es gibt zudem auch homöopathische Mittel, die gegen Beschwerden helfen, die mit dem zentralen Nervensystem zusammenhängen.

von Petra Koci,

veröffentlicht am 15.09.2022


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